Im Strudel der Ewigen Schlacht

Die Strömungen der elementaren Tiefsee waren erfüllt vom Lärm eines Krieges ohne Sinn.

Klingen blitzten. Tentakel peitschten durch das Wasser. Kreaturen aus Dutzenden von Welten stießen aufeinander – Dämonen, elementare Bestien, Krieger fremder Reiche. Manche schrien vor Wut, andere kämpften stumm wie Puppen. Über allem lag die unsichtbare Hand des Abolethen, die ihre Gedanken lenkte.

Kein sterblicher Verstand konnte den Zweck dieser Schlacht begreifen.

Die Gruppe wurde immer wieder auseinandergerissen, als würden unsichtbare Strömungen sie fortzerren. Jeder versuchte, tiefer zu gelangen – näher zum Hort des Abolethen.

„Das ergibt keinerlei strategischen Sinn“, murmelte Xalfein, während er einen Speer ablenkte, der aus dem Nichts auf ihn zuflog. „Ein Krieg ohne Frontlinien, ohne Zielstruktur… faszinierend ineffizient.“

„Oder einfach nur verrückt!“, rief Posy begeistert, während er mit seinem Langschwert einen grotesken Fischdämon abwehrte. „Fuzz, hast du das gesehen?!“

Der Kater mit dem regenbogenfarbenen Fell miaute empört.

„Ja, genau das habe ich mir auch gedacht!“, antwortete Posy.

Ein plötzlicher Ruck ging durch das Wasser.

Vor ihnen öffnete sich ein Portal – ein ovaler Riss aus flackernder Magie, durch den Kreaturen strömten, die aussahen wie lebendige Schatten.

Xalfein verengte die Augen.

„Instabil“, sagte er scharf. „Höchst instabil!“

Habikan stand direkt davor, den Kopf leicht schief gelegt, als würde er einem entfernten Lied lauschen.

„Ah“, sagte der Traumgeborene ruhig. „Ein Fenster im Stoff der Wirklichkeit. Wie eine Falte in einem schlecht gebügelten Anzug.“

„Habikan, weg da!“, rief Finn.

Zu spät.

Das Portal implodierte.

Ein lautloser Blitz aus verdichteter Magie zog sich zusammen wie ein sterbender Stern. Das Wasser selbst schien zu krümmen.

Habikan blieb stehen.

Unberührt.

Sein durchscheinender Körper flackerte nur kurz, als hätte ihn ein ferner Wind gestreift.

Xalfein hingegen wurde zur Seite geschleudert. Dunkle Energie brannte über seine Haut.

„Ah“, zischte der Schattenelf und fing sich mühsam. „Eine überaus schmerzhafte empirische Bestätigung.“

„Alles in Ordnung?!“, rief Sonea.

„Meine Definition von ‚in Ordnung‘ wurde soeben neu kalibriert.“

Noch bevor jemand antworten konnte, fuhr ein elektrisches Zucken durch das Wasser.

Aus der Dunkelheit glitten Zitteraale hervor – lange, peitschende Körper, deren Haut vor Energie knisterte.

„Oh! Blitzfische!“, rief Posy begeistert.

Der erste Schlag traf Finn.

Sein Körper zuckte.

„Ah! Das… ist… unangenehm!“

Mehrere Aale stürzten sich auf die Gruppe.

Kleschbumtauch brüllte und riss seine Axt hoch.

„Bleibt furück! Iff halt fie auf!“

Elektrische Entladungen zuckten durch das Wasser, doch der Ork stemmte sich dagegen, die Muskeln angespannt, während seine rohe Kraft die Tiere zurückdrängte.

Ein greller Blitz schoss dennoch durch die Formation.

Sugureta zuckte leicht, blieb aber stehen.

„Schmerz ist nur eine Welle“, sagte der blinde Krieger ruhig.

Posy hingegen krampfte.

„Fuuuuuzz! Wieso mögen uns die Blitzfische nicht?!“

Der Kater miaute beleidigt.

Währenddessen glitt Habikan zwischen den Aalen hindurch wie ein Geist.

„Elektrizität“, sagte er nachdenklich. „Ein nervöser Gedanke des Meeres.“

Plötzlich verzog sich Xalfeins Gesicht.

Seine Augen weiteten sich.

Eine Vision flackerte durch seinen Geist.

Klesch, der seine Axt hob.

Eine Bewegung.

Eine Strömung.

Ein Spalt in ihrer Formation.

Etwas Großes, das genau diesen Moment nutzte.

Die Vision brach ab.

„Klesch!“

Der Ork drehte sich überrascht.

„Waff?“

Xalfein packte ihn am Arm.

„Wenn du jetzt nach vorne stürmst, öffnest du unsere rechte Flanke!“

Klesch blinzelte.

„Aber iff wollt nur …“

„Nein.“

Der Magier zog ihn zurück, genau in dem Moment, als eine monströse Kreatur aus der Dunkelheit schoss, deren Kiefer dort zuschnappten, wo Klesch eben noch gestanden hätte.

„…ah“, sagte Xalfein trocken. „Vorhersehbare Katastrophen präferiere ich.“

Klesch sah ihn beeindruckt an.

„Daf haft Du in der Fukunft gefehen?“

„Nur eine temporäre probabilistische Präkognition.“

„…“

Bevor sie weiterreden konnten, verdunkelte sich das Wasser.

Eine träge Wolke breitete sich aus – schimmernd grün, träge pulsierend.

Sonea schnupperte – ein Fehler, den sie sofort bereute.

„Gift!“

Die Wolke umhüllte die Gruppe.

Finn begann zu husten.

„Ich… glaube… das Meer versucht… uns zu marinieren…“

„Atmet flach!“, rief Sonea.

Posy sah zu Fuzz.

„Fuzz sagt, wir sollen einfach nicht sterben.“

Der Kater schien zustimmend zu nicken – vielleicht war es aber auch nur eine durch das Gift hervorgerufene Halluzination.

Sugureta hob langsam den Kopf.

„Manchmal“, sagte er ruhig, „ist der Weg durch das Chaos nicht der Kampf dagegen.“

Xalfein verzog das Gesicht.

„Mit Verlaub – diese Gift scheint sich nicht für Deine philosophische Perspektiven zu interessieren.“

Klesch schwang seine Axt durch die Wolke.

„Iff ferfflag daf Gift einfaff!“

Xalfein lächelte humorlos und erläuterte hustend „Das wird so nicht funktionieren …“

Die Axt wirbelte das Wasser auf.

Überraschenderweise riss die Strömung einen Teil der Giftwolke auseinander.

Xalfein starrte einen Moment lang.

„…ich nehme alles zurück.“

Die Schlacht tobte weiter.

Keine Linie, keine Ordnung, kein Ende.

Nur Strömungen aus Körpern, Klingen, Tentakeln und Magie.

Finn zog eine Saite seiner Laute, während er gleichzeitig einer fremdartigen Bestie auswich, deren Körper aus Glas zu sein schien.

„Klesch!“, rief er.

Der Ork drehte sich mitten im Kampf, seine Axt blutverschmiert.

„Waf?“

Finn grinste.

„Du bist gleich da, wo du gebraucht wirst.“

Ein kurzes Aufblitzen von Magie.

Der Raum faltete sich.

Mit einem dumpfen Plopp verschwand Klesch — und tauchte mehrere Dutzend Schritt weiter vorne wieder auf, direkt zwischen zwei feindlichen Kreaturen.

Der Ork blinzelte.

„Oh.“

Kleschbumtauch ließ seine Axt durch Fleisch und Sehnen schneiden.

„DAF WAR PRAKTIFF!“


Weiter hinten brach plötzlich ein gleißendes Licht auf.

Ein Wesen aus reinem himmlischem Glanz – vielleicht einst ein Engel, vielleicht etwas noch Fremderes – zerfiel mitten in der Schlacht. Seine Form brach auseinander wie ein sterbender Stern.

„Äh… Leute?“, sagte Posy.

Ein Schwall aus reiner Energie traf ihn frontal.

Der Barbar wurde mehrere Meter durch das Wasser geschleudert.

Sein Fell stellte sich auf.

Fuzz trudelte neben ihm und miaute panisch.

Posy blinzelte.

„Ich glaube… ich habe gerade göttliche Strahlung gegessen.“

Sonea tauchte sofort zu ihm.

Ihr Geweih schimmerte im dämmrigen Licht der Schlacht.

„Bleib still.“

Sie legte die Hände auf seine Brust.

Sanftes, grünes Licht breitete sich aus.

„Der Wald vergisst niemanden“, flüsterte sie.

Die Wunden schlossen sich langsam.

Posy sah sie dankbar an.

„Danke! Fuzz meint, dass das sehr knapp war.“


Ein eisiger Schrei schnitt durch das Wasser.

Ein Strahl aus tödlicher Kälte raste durch das Schlachtfeld.

Habikan stand genau im Weg.

Er betrachtete das heranrasende Eis mit neugieriger Gelassenheit.

„Ah“, murmelte er. „Ein Wintergedanke.“

Dann bewegte sich etwas Riesiges.

Morvath.

Der Meeresriese hüllte seine Hände schützend über Habikan.

Die Kälte traf die Faust des Riesen und gefror in dicken Schichten auf seiner Haut.

Morvath verzog kaum eine Miene.

Langsam wandte er den Kopf.

„Weiter“, sagte er ruhig.

Habikan neigte leicht den Hut.

„Ein wahrhaft eleganter Schutzschirm.“


Die Schlacht wurde dünner.

Noch immer tobten Kämpfe um sie herum, doch die Strömungen führten nun tiefer — zum Grund dieses Wahnsinns.

„Da unten“, sagte Xalfein leise.

Finn nickte.

„Letzte Etappe.“

Vor ihnen lagen die letzten Gefahren: kämpfende Kreaturen, chaotische Magie, Trümmer von Portalen.

Finn lächelte plötzlich breit.

„Zeit für Stil.“

Er ließ die Laute los.

Stattdessen begann er sich zu bewegen.

Sein Körper drehte sich elegant durch das Wasser — ein Tanz zwischen den Kämpfern, ein rhythmisches Ausweichen zwischen Klauen, Zähnen und Speeren.

Er wirbelte an einem Dämon vorbei, duckte sich unter einem Tentakel durch und glitt wie eine Melodie durch die Lücken des Chaos.

„Ta-daa!“, sagte er, als er auf der anderen Seite ankam.


Surugeta hingegen verschwand fast.

Der kleine Hai-Krieger nutzte jede Strömung, jede Lücke. Sein schlanker Körper schnitt mit unglaublicher Geschwindigkeit durch das Wasser.

„Der Weg ist dort, wo man nicht erwartet wird“, sagte er ruhig, während er zwischen zwei kämpfenden Giganten hindurchschoss.


Habikan legte zwei Finger an seinen Hut.

Dann verblasste er.

Seine Gestalt löste sich auf wie Nebel.

Unsichtbar glitt er zwischen den letzten Gefahren hindurch.

„Ein Traum kann nicht getroffen werden“, flüsterte seine Stimme aus dem Nichts.


Sonea atmete tief ein.

Ihr Körper begann sich zu verändern.

Beine verschmolzen, Haut wurde zu glatter Haihaut, ihr Geweih verschwand.

Momente später schoss ein kraftvoller Hai durch das Wasser und tauchte mühelos durch die letzten Hindernisse.


Posy sah das alles und grinste breit.

„Fuzz“, sagte er. „Jetzt wird’s sportlich.“

Er spannte die Muskeln an.

Mit einem kraftvollen Stoß katapultierte er sich über ein Feld aus zersplitterten Kreaturenkörpern, stieß sich an einem schwimmenden Schild ab und sprang über eine klaffende magische Spalte.

Er landete sauber auf der anderen Seite.

Fuzz landete elegant neben ihm.

„Perfekte Landung“, sagte Posy stolz.


Klesch hingegen blieb bei seiner bevorzugten Methode.

Vor ihm blockierte ein knäuelartiges Hindernis aus kämpfenden Kreaturen den Weg.

Der Ork grinste breit.

„Ausz dem Weg.“

Seine Axt krachte nach vorne.

Ein Schlag.

Noch einer.

Körper und Rüstungen wurden beiseite geschleudert.

„Durf!“


Xalfein blieb kurz stehen.

Er betrachtete die letzten Meter analytisch.

„Unpraktisch.“

Sein Körper begann sich zu verändern.

Die Haut seines rechten Arms verflüssigte sich kurz — Knochen streckten sich, Muskeln formten sich neu. Der Arm wurde länger, geschmeidiger, fast tentakelartig.

Mit dieser veränderten Gliedmaße zog er sich elegant durch eine enge Passage zwischen den Kämpfern.

Dann nahm sein Arm wieder seine normale Form an.

Xalfein strich seine Haare zurück.

„Adaptation“, murmelte er zufrieden.


Über ihnen tobte weiterhin der endlose Krieg.

Unter ihnen lag die Dunkelheit der Tiefe und sie näherten sich dem Hort des Abolethen.

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