Der Einfluss der Kristalle

Sugureta Kyūkaku stand reglos zwischen den schwarzen Korallen, während das fahle Licht der Tiefsee über seine Schuppen glitt. Etwas an seiner Haltung hatte sich verändert. Seine Schultern wirkten angespannt, der Griff um seine Waffe zu fest, zu ruhig. Dort, wo sonst die bedachte Gelassenheit des Galeoni lag, waberte nun etwas Kaltes und Fremdes.

Finn bemerkte es als Erster.

„Oh nein“, murmelte er und machte einen Schritt zurück. „Nicht schon wieder.“

Sonea hob erschrocken den Blick. „Finn?“

Doch der Barde reagierte bereits. Seine Finger glitten blitzschnell über die Saiten seiner Laute, eine wilde, schiefe Melodie erklang zwischen den Wassermassen. Magie spannte sich wie flimmernde Fäden um Suguretas Geist.

„Sugureta! Hör mir zu! Du bist stärker als das!“

Der Haikrieger hob langsam den Kopf. Seine blinden Augen starrten ins Leere, und dennoch hatte jeder das Gefühl, angesehen zu werden. Ein dunkles Zittern lief durch seinen Körper.

Dann begann er plötzlich zu lachen.

Es war kein freudiges Lachen. Kein warmes, ehrliches Lachen. Es war ein unkontrolliertes, beinahe schmerzhaftes Keuchen, das aus ihm hervorbrach, während Finns Zauber seinen Geist in Ketten legte. Sugureta sackte auf die Knie und rang nach Luft.

„Das hält ihn nicht lange auf!“, rief Finn. „Tut irgendwas!“

Kleschbumtauch trat vor.

Der Ork hatte bereits die große Axt in der Hand gehabt. Einen Augenblick lang sah man den inneren Kampf in seinem Gesicht. Dann schnaubte er, steckte die Waffe weg und griff stattdessen nach seinem Dreizack.

„Kleszbumtauff will ihm nifft den Szädel einhauen“, murmelte er entschlossen. „Szugureta isz Freund.“

Posy nickte sofort begeistert. „Ja! Genau! Nicht-tödliche Gewalt! Das klappt bestimmt hervorragend!“

Fuzz miaute skeptisch.

„Ach komm schon“, antwortete Posy seinem Kater. „Was soll schon passieren?“

Xalfein verschränkte die Arme hinter dem Rücken. „Ah ja. Die berühmten letzten Worte primitiver Abenteuergruppen.“

Suguretas Lachen wurde plötzlich tiefer. Verzerrter.

Für einen einzigen Moment legte sich ein Schatten über seinen Körper. Etwas Gewaltiges. Formloses. Tentakelartige Silhouetten zuckten durch das Wasser wie Risse in der Wirklichkeit.

Habikans einzelnes Auge verengte sich.

„Der Traum fault“, sagte er leise. „Etwas blickt durch den Vorhang.“

Kleschbumtauch brüllte auf und stieß vor.

Der Dreizack traf Sugureta mit voller Wucht gegen die Brust.

Magie explodierte.

Ein dumpfer Laut hallte durch die Tiefe, als hätte etwas Unsichtbares plötzlich den Griff verloren. Schwarze Schlieren quollen aus Suguretas Körper hervor wie Tinte im Wasser. Der Galeoni schrie auf — diesmal mit seiner eigenen Stimme.

„AAAAH!“

Dann riss etwas aus seinem Rücken hervor.

Ein peitschendes Tentakel, schwarz und schleimig, schnell wie ein Speer.

„KLESCH!“ schrie Sonea.

Zu spät.

Das Tentakel bohrte sich in Kleschbumtauchs Seite und schleuderte den Ork brutal durch das Wasser. Er krachte gegen eine Felswand, dass die Korallen splitterten.

„Kleszbumtauff… hassz Tentakel…“, keuchte er benommen.

Finn fluchte. „Natürlich hasst du Tentakel! Jeder hasst Tentakel!“

Sugureta brach derweil zusammen. Schwer atmend lag er auf dem Höhlenboden, die Hände gegen den Kopf gepresst.

„Die Tiefe…“, flüsterte er erschüttert. „Ich hörte sie wieder singen…“

Sonea kniete sofort neben ihm nieder und legte vorsichtig eine Hand auf seine Schulter. „Du bist zurück. Hörst du mich? Du bist bei uns.“

Der Haikrieger schwieg lange.

Dann nickte er langsam.

Xalfein betrachtete die schwarzen Rückstände, die sich bereits im Wasser auflösten. Sein Blick wurde ungewöhnlich ernst.

„Faszinierend“, sagte er leise. „Der Einfluss des Abolethen wird stärker. Früher benötigte es deutlich länger, einen Geist derart vollständig zu korrumpieren.“

„Das nennt man nicht faszinierend!“, protestierte Posy.

„Doch, doch“, erwiderte Xalfein trocken. „Es ist lediglich gleichzeitig katastrophal.“


Die Gruppe schwieg lange nach Suguretas Zusammenbruch.

Nur das ferne Knacken der Tiefsee und das gedämpfte Strömen des Wassers erfüllten die gewaltige Höhle. Niemand sprach das Offensichtliche aus: Der Einfluss des Abolethen wurde stärker. Näher. Hungriger.

Habikan stand etwas abseits der anderen. Sein einzelnes Auge ruhte auf den verderbten Nexuskristallen, deren krankes Leuchten die Höhlenwände mit pulsierenden Schatten überzog.

„Ein Traum“, sagte er schließlich leise, „kann einen Sturm verschlucken… wenn er groß genug ist.“

Finn verzog sofort das Gesicht. „Oh nein. Nein, nein, nein. Ich kenne diesen Tonfall.“

Habikan drehte langsam den Kopf zu ihm.

„Ihr seid bereits einmal durch den schwarzen Spiegel geschritten, Liederschmied. Ihr habt den Ruf der Tiefe gehört und seid zurückgekehrt.“

Finn verschränkte die Arme. „Ja. Mit Hilfe von Freunden, mehreren Platzwunden und einem mittelschweren Nervenzusammenbruch.“

„Dann“, sagte Habikan ruhig, „kann ein stärkerer Geist vielleicht noch weiter gehen, ohne zu zerbrechen.“

Soneas Augen weiteten sich. „Habikan… du willst einen Kristall benutzen? Absichtlich?“

„Der Traum muss betrachtet werden, bevor man ihn durchschneiden kann.“

„Das klingt absolut grauenhaft“, murmelte Posy. „Fuzz findet das übrigens auch.“

Der Kater miaute zustimmend.

Xalfein hingegen wirkte nachdenklich. „Hm. Ein kontrolliertes Experiment unter Beobachtung. Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist das tatsächlich… außerordentlich wertvoll.“

Finn starrte ihn an. „Ihr beide macht mich wahnsinnig.“

Sugureta hob langsam den Kopf. Noch immer wirkte er erschöpft.

„Wer in dunkles Wasser taucht“, sagte der Galeoni leise, „sollte ein Seil um die Hüfte tragen.“

„Danke“, sagte Finn trocken. „Das ist immerhin die poetischste Art, ‘das ist eine schlechte Idee’ zu sagen.“

Doch Habikan blieb unbewegt stehen.

„Falls die Tiefe nach mir greift“, sagte er ruhig, „seid ihr vorbereitet.“

Kleschbumtauch hob sofort den Dreizack.

„Kleszbumtauff kann ihn wieder piekszen.“

„Beruhigend“, seufzte Finn.

Nach langen Diskussionen — und mehreren Versuchen Finns, die Idee auszureden — einigte sich die Gruppe schließlich tatsächlich darauf, das Wagnis einzugehen.

„Aber nicht hier oben“, sagte Sonea bestimmt. „Lethra beobachtet alles.“

Alle dachten an die seltsame Verwalterin des Hortes zurück. An ihr leeres Gesicht. Ihre ruhige Stimme. Ihre beinahe mechanische Loyalität gegenüber dem „Meister“.

„Sie hat ausdrücklich erwähnt, dass sie auf dessen Eigentum achtet“, erinnerte Xalfein. „Ein durchaus bedenklicher Satz.“

„Dann sollten wir vermeiden, erwischt zu werden“, meinte Posy.

„Ausgezeichnete Strategie“, sagte Xalfein trocken. „Warum wenden wir sie nicht häufiger an?“

Der Plan war schlicht.

Sie würden das Experiment unten durchführen — in jener düsteren Kammer, in der noch die verstümmelten Leichen der See-Hexen lagen.

Habikan wartete geduldig, bis sich eine Gelegenheit ergab, bei der Lethra abgelenkt war. Gedankenlose Diener bewegten sich langsam zwischen den Nexuskristallen und verrichteten ihre undurchschaubaren Arbeiten. Niemand sprach. Niemand schien wirklich zu leben.

Der Traumgeborene schritt beinahe lautlos durch die Höhle.

Dann kam der Augenblick.

Mit einer geschmeidigen Bewegung griff Habikan nach einem der großen Kristalle.

Das bunte Licht pulsierte sofort durch seine durchscheinenden Finger.

Als Habikan seinen Blick vom Kristall löste, sah er in die ausdruckslosen Augen eines Gedankensklaven.

Ein hageres Wesen mit leerem Gesicht und hängenden Schultern. Reglos starrte es Habikan an.

Sekunden vergingen.

Finn hielt unwillkürlich den Atem an.

Doch der Gedankensklave sagte nichts.

Kein Alarm.

Keine Reaktion.

Nur dieses tote, ausdruckslose Beobachten.

„Das gefällt mir überhaupt nicht“, flüsterte Finn.

Habikan neigte leicht den Kopf, beinahe höflich — dann verschwand er mit dem Kristall aus der Höhle.

Der untere Raum empfing sie mit Stille und dem metallischen Geschmack vergossener Magie. Die Körper der See-Hexen lagen noch immer dort, grotesk verdreht zwischen den Steinen.

„Gemütlich“, murmelte Posy.

Fuzz fauchte leise.

Habikan trat in die Mitte der Kammer. Langsam löste er seine Dolche vom Gürtel und reichte sie Finn.

„Falls der Traum Zähne bekommt.“

„Bitte sag solche Dinge nicht kurz vor so einem Experiment“, antwortete Finn nervös.

Sonea bereitete bereits Schutzzeichen vor, während Xalfein aufmerksam jede Bewegung beobachtete.

„Bemerkenswert“, sagte der Schattenelf leise. „Seine astrale Struktur reagiert bereits auf die bloße Nähe des Kristalls.“

„Das klingt schon wieder viel zu begeistert“, meinte Finn.

Habikan schloss sein einzelnes Auge.

Dann begann das Ritual.

Das Licht des Kristalls floss langsam aus dem Inneren des Steins hervor wie bunter Rauch unter Wasser. Strähnen befleckter Energie wanderten über Habikans Körper, krochen an Armen und Hals entlang und verschwanden in seinem durchscheinenden Leib.

Die Temperatur im Raum sank.

Posy rutschte unruhig hin und her. „Ähm… sollte sein Schatten sich bewegen, obwohl er stillsteht?“

Finn blickte hinüber.

Habikans Schatten zuckte tatsächlich über den Boden. Langsam. Unnatürlich.

„Das ist schlecht“, sagte Finn sofort.

„Offensichtlich“, erwiderte Xalfein.

Sugureta saß schweigend mit geschlossenen Augen da, als lausche er etwas Fernem.

Das Licht des Kristalls wurde stärker. Dunkler.

Habikans Körper begann zu flimmern, als bestünde er plötzlich nur noch halb aus Realität.

Dann—

Schritte.

Langsam.

Von oben.

Alle Köpfe fuhren gleichzeitig herum.

Jemand kam die Treppe herunter.


Die Schritte kamen näher.

Langsam. Gleichmäßig. Ohne jede Hast.

Kleschbumtauch stellte sich sofort vor den Eingang der Kammer. Das schwere Schild hob sich vor seinen Körper, während er die einhändige Axt locker kreisen ließ. Eine ungewöhnliche Wahl für den Ork — doch diesmal wollte er standhalten, nicht niedermähen.

Hinter ihm kniete Habikan noch immer reglos vor dem Kristall. Schwarze Energie pulsierte durch seinen Körper wie ein zweites Herz.

Finn schluckte nervös. „Bitte sagt mir, das sind nur zufällig vorbeikommende Tiefseekühe.“

„Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt statistisch betrachtet nahe null“, antwortete Xalfein.

Dann erschien Lethra auf der Treppe.

Die hagere Verwalterin stieg langsam die Stufen hinab, gefolgt von vier Gedankensklaven mit schweren Streitkolben. Ihre Bewegungen wirkten synchronisiert. Fast künstlich.

Lethras leere Augen glitten sofort zu dem Kristall.

Dann zu Habikan.

Ihre Stimme blieb vollkommen ruhig.

„Es wurde ein unautorisierter Zugriff auf das Eigentum des Meisters festgestellt.“

Kleschbumtauch hob den Schild ein wenig höher.

„Äh… wir räumen nur auf.“

Lethra blinzelte nicht einmal.

„Bitte tritt zur Seite und gib den Weg frei.“

Der Ork kratzte sich demonstrativ am Kopf. „Kleszbumtauff versteht nifft gansz. Wie meinsz Du dasz?“ stellt sich Kleschbumtauch dumm.

Die Gedankensklaven stürmten los.

„Ja gut, jetzt wird wieder geprügelt“, seufzte Finn.

Die Streitkolben krachten gegen Kleschbumtauchs Schild. Der Ork taumelte einen Schritt zurück, fing sich jedoch sofort wieder.

Lethra hob ruhig eine Hand.

Schwarze Magie floss wie dünner Nebel auf den Ork zu.

Kleschbumtauch keuchte plötzlich auf.

Seine Muskeln erschlafften augenblicklich, als hätte ihm jemand die Kraft aus den Knochen gezogen.

„Ohhh… dasz isz gemein…“

„Temporärer Schwächungseffekt erfolgreich angewandt“, sagte Lethra.

Doch noch bevor die Gegner weiter vordringen konnten, streckte Sonea beide Hände aus.

Grünes Licht breitete sich über den Boden der Kammer aus.

Plötzlich schossen dicke Ranken zwischen den zerborstenen Steinen hervor. Algen, Wurzeln und Wasserpflanzen wanden sich um Beine und Waffen der Gedankensklaven.

„Die Tiefe lebt ebenfalls“, sagte Sonea mit fester Stimme. „Und sie wird euch nicht helfen.“

Die Gegner gerieten ins Stocken.

„Ah“, murmelte Xalfein zufrieden. „Wunderbar gruppiert.“

Finn verzog das Gesicht. „Oh nein.“

Der Schattenelf hob eine Hand.

Feuer explodierte.

Der Feuerball raste dicht an Kleschbumtauchs Schulter vorbei und detonierte mitten zwischen den festgesetzten Gegnern.

Die gesamte Treppe wurde von glutroter Magie verschlungen. Hitze schlug Kleschbumtauch entgegen, Korallen platzten auseinander, und zwei Gedankensklaven wurden brennend gegen die Wand geschleudert.

Posy riss begeistert die Augen auf. „WOOOOAH!“

„Elementare Thermodynamik“, sagte Xalfein kühl. „Immer wieder sehr effizient.“

Kleschbumtauch hingegen starrte den Magier entsetzt an.

„DU HASZ KLESZBUMTAUFF FASZ ANGESZÜNDET!“

„Knapp daneben ist die höchste Form mathematischer Präzision.“

Zwischen Rauch und Flammen trat Lethra hervor.

Unversehrt, während magische Schutzfelder um ihren Körper flimmerten.

„Ihr habt offensichtlich die Option der unkooperativen Maßnahmen gewählt“, sagte sie ruhig.

Dann machte sie eine kurze Bewegung mit der Hand.

Unsichtbare Gewalt traf Kleschbumtauch frontal.

Der Ork wurde quer durch die Kammer geschleudert wie eine Puppe, krachte über den Boden und riss mehrere Steinsäulen mit sich.

„KLESCH!“ rief Posy.

Damit war der Weg frei.

Lethra schritt langsam über die Schwelle der Kammer.

„Ich werde jetzt mit der Sicherung des Eigentums fortfahren.“

Doch noch während sie sprach, stemmte sich Kleschbumtauch knurrend wieder hoch.

„Niff… mit Kleszbumtauff!“

Mit einem wütenden Brüllen riss er seinen Schild vom Arm und schleuderte ihn quer durch den Raum.

Der Schild rotierte durch das Wasser und krachte Lethra direkt gegen den Kopf.

Zum ersten Mal verlor sie beinahe die Haltung. Ihre magischen Schutzfelder flackerten gefährlich.

„Kreativer Materialeinsatz, Gefahr von Konzentrationsstörung registriert“, sagte sie tonlos.

Posy nutzte den Augenblick sofort.

„JETZT!“

Der Mephitide stürmte mit erhobenem Langschwert vor. Voller Wut sprang er auf Lethra zu.

„NIEMAND GREIFT UNSERE FREUNDE AN!“

Fuzz fauchte laut hinterher.

Posys Klinge raste herab—

Und prallte gegen ein plötzlich aufflammendes Energieschild.

Lethra hatte die Barriere im letzten Augenblick erschaffen.

Der Aufprall ließ die ganze Kammer erbeben.

Posy riss überrascht die Augen auf. „Was?!“

„Defensive Reaktion erfolgreich“, sagte Lethra ruhig.

Dann hob sie beide Hände.

Bläuliches Licht sammelte sich zwischen ihren Fingern.

Finns Gesicht wurde kreidebleich.

„ALLE RUNTER—“

Der Blitz entlud sich.

Ein gleißender Strom aus Elektrizität raste durch die Kammer, sprang von Körper zu Körper, fraß sich durch Wasser, Stein und Luftblasen zugleich.

Finn schrie auf.

Sonea wurde gegen die Wand geschleudert.

Posys Fell stellte sich knisternd auf.

Selbst Xalfein verlor für einen Moment die Kontrolle über seine Magie.

Und Habikan—

Habikan zuckte nur einmal.

Das Licht des Kristalls flackerte abrupt.

Dann brach der Traumgeborene reglos zur Seite weg.

Bewusstlos.

Der Kristall rollte langsam aus seinen Händen und pulsierte weiter im Dunkeln.


Der Geruch verbrannter Magie hing schwer im Wasser.

Knistern lief noch immer über Posys Fell, während Finn benommen gegen eine Säule taumelte und fluchend versuchte, seine tauben Finger zu bewegen.

Lethra hingegen stand weiterhin ruhig mitten im Raum.

Als wäre nichts geschehen.

„Euer Widerstand wurde erheblich reduziert“, sagte sie in ihrer gleichmäßigen Stimme. „Ich kann mit der Rückgewinnung des Eigentums nun effizient fortfahren.“

„Oh, ich hasse sie“, keuchte Finn.

Zwischen den Trümmern regte sich plötzlich Kleschbumtauch.

Der Ork stemmte sich schwer atmend hoch. Seine Arme zitterten noch vom Schwächezauber, doch langsam kehrte Kraft in seine Muskeln zurück.

„Nnnngh…“

Er biss die Zähne zusammen.

Dann brüllte er plötzlich aus voller Kehle.

„KLESZBUMTAUFF ISZ SZARK!“

Mit einem Ruck spannte sich sein ganzer Körper an. Dunkle Magie zerplatzte förmlich um ihn herum wie brechendes Glas.

Der Schwächezauber war gebrochen.

„Ha!“

Lethra drehte nur leicht den Kopf.

„Ungewöhnlich robuste Biologie. Bemerkenswert.“

„Das nennt man Muskeln!“, rief Posy begeistert.

Xalfein hob derweil langsam eine Hand. Seine weißen Haare trieben wie Nebel um sein Gesicht.

„Nun gut“, sagte er kühl. „Falls rohe Gewalt nicht genügt, versuchen wir es mit biologischer Penetranz.“

Finn verzog das Gesicht. „Ich fürchte mich jedes Mal wenn Du sowas sagst.“

Dunkle Magie sammelte sich über Xalfeins Fingern.

Dann explodierte die Luft.

Ein Summen erfüllte plötzlich die Kammer.

Ein Schwarm pechschwarzer Insekten materialisierte sich aus magischer Finsternis und stürzte sich sofort auf Lethra. Käfer, stechende Fliegen und spinnenartige Kreaturen krochen über ihre Arme, ihr Gesicht und ihre Augen.

Zum ersten Mal wich sie einen halben Schritt zurück.

„Diese sensorische Einschränkung ist unerfreulich.“

„Hervorragend“, sagte Xalfein zufrieden.

Hinter ihnen regte sich Habikan.

Langsam hob der Traumgeborene den Kopf.

Sein einzelnes Auge öffnete sich.

Finn erstarrte sofort.

Die Iris war nicht länger rot.

Sie war schwarz.

Tiefschwarz.

Wie ein Loch ohne Ende.

Habikan erhob sich mit unnatürlich langsamen Bewegungen. Schwarze Energie rann wie Rauch über seinen Körper.

„Äh… Leute?“ sagte Posy nervös.

Habikan sagte nichts.

Er bewegte sich plötzlich.

Schneller als zuvor.

Dunkelheit floss in seine Hand und formte sich dort zu einem langen, schmalen Dolch aus pechschwarzer Energie.

Dann stürzte er direkt auf Xalfein zu.

„Faszinier…“ begann der Schattenelf.

Habikan stach zu.

Xalfein riss erschrocken den Arm hoch. Der schwarze Dolch krachte gegen seine magische Barriere und ließ dunkle Funken explodieren.

Der Magier wurde mehrere Schritte zurückgedrängt.

„Ah“, sagte Xalfein ungewöhnlich angespannt. „Jetzt wird es unangenehm.“

Habikan griff erneut an. Wortlos. Präzise. Wie ein Albtraum in Bewegung.

„Habikan!“, rief Sonea verzweifelt. „Kämpf dagegen an!“

Doch das schwarze Auge blickte durch sie hindurch.

Lethra hob plötzlich beide Hände.

Die Insekten verbrannten augenblicklich in einer Welle psionischer Energie.

Dann breitete sich lautlose Gewalt durch die Kammer aus.

Ein psychischer Schlag traf die Gruppe wie eine unsichtbare Explosion.

Finn schrie auf und griff sich an den Kopf.

Posy taumelte benommen zurück.

Kleschbumtauch sackte auf ein Knie.

Sonea rang keuchend nach Luft, während fremde Gedanken wie kalte Messer durch ihren Geist schnitten.

Habikan zuckte mitten in seiner Bewegung plötzlich zusammen.

Die schwarze Energie um seinen Körper flackerte chaotisch.

Der Dolch zerfiel augenblicklich zu Rauch.

Sein schwarzes Auge verlor den Fokus — dann brach der Traumgeborene einfach zusammen und schlug reglos auf dem Boden auf.

„Mentale Unterwerfung wird nun eingeleitet“, sagte Lethra ruhig.

Dann bewegte sich plötzlich etwas hinter ihr.

Schnell.

Lautlos.

Sugureta.

Der Galeoni schoss wie ein Schatten auf Lethra zu. Niemand hatte bemerkt, dass er verschwunden war.

„Ein Jäger“, sagte seine ruhige Stimme, „beobachtet zuerst die Strömung… und schneidet dann hindurch.“

Dann traf er.

Seine Klinge zuckte gegen Lethras magisches Schild.

Nicht stark genug, um es zu brechen — aber das Schutzfeld flackerte kurz.

Sugureta war bereits weiter.

Der zweite Schnitt traf aus einem anderen Winkel. Präzise. Prüfend. Wie ein Haifisch, der Schwachstellen ertastete.

Feine Risse aus bläulichem Licht liefen plötzlich durch die schimmernde Barriere.

Lethra hob sofort die Hände.

„Defensive Stabilisierung wird eingeleitet.“

Doch Sugureta ließ ihr keine Zeit.

Seine Bewegungen wurden schneller.

Ein Sturm aus Klingen.

Die Waffe des Galeoni wirbelte, hinterließen silberne Bögen und peitschende Strömungen. Jeder Schlag traf exakt dort, wo die Schutzmagie bereits instabil geworden war.

Der vierte Treffer ließ die Barriere hörbar aufheulen.

Der fünfte drückte sie sichtbar nach innen.

Beim sechsten zerbarst ein ganzer Teil des Schildes in einem Schauer aus Lichtsplittern.

Lethras ruhige Stimme stockte zum ersten Mal.

„Barriereintegri…“

Sugureta drehte sich mit der nächsten Bewegung unter ihrem verzweifelten Abwehrversuch hindurch.

Dann traf die Klinge mitten ins Zentrum des Schutzfeldes.

Die Barriere kollabierte augenblicklich.

Magische Energie detonierte nach außen und riss Lethras Arme auseinander. Schutzrunen zerplatzten wie dünnes Glas.

Für den Bruchteil eines Moments stand sie vollkommen offen da.

Posy war bereits unterwegs. Mit einem wilden Brüllen sprang der Mephitide vor. Sein Langschwert leuchtete auf, als er seine ganze Kraft in einen einzigen Schlag legte.

Die Klinge traf Lethra mitten im Oberkörper.

Magische Energie explodierte.

Die Verwalterin wurde förmlich auseinandergerissen und gegen die Wand geschleudert.

Stille.

Lethras Körper sackte langsam zu Boden.

Leblos.

Das schwache Licht in ihren Augen erlosch endgültig.

Nur das entfernte Summen des Kristalls blieb zurück.

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