Zu den Dämmerklippen (Tag 8 bis 10)

Rast nach dem Kampf

Die Helden hatten sich am Lagerplatz niedergelassen, die Luft noch erfüllt vom harzigen Duft des Kampfes mit der Blutrankenrose. Während die anderen sich auf ihre Schlafplätze vorbereiteten, zog sich Xalfein mit dem Buch zurück, das sie von Eldryn erhalten hatten. Seine scharfen Augen huschten über die verschlungenen, arkane Symbole, doch je länger er las, desto mehr zogen sich seine Augenbrauen zusammen. Schließlich ließ er das Buch mit einem frustrierten Seufzen zuschnappen.

„Ein ganzes Kapitel voller pompösem Unsinn!“ schnaubte er und wandte sich an die Gruppe. „Das hier soll eine Erklärung über die Kristalle sein? Es ist nichts als wortreiches Geschwafel ohne Substanz.“

Finn, der an einem Ast arbeitete, um daraus einen neuen Pfeil zu schnitzen, hob den Kopf. „Wer weiß, ob das Buch überhaupt irgendeine nützliche Information enthält.“

Sonea lächelte schwach, lehnte sich jedoch müde gegen einen Baum. „Zumindest müssen wir es weiter versuchen. Aber diese Erschöpfung… ich überlege, nach Kräutern zu suchen, aber ich kann mich kaum bewegen.“

„Vielleicht solltest du einen der Kristalle verwenden?“ schlug Fenro vor und beobachtete sie aufmerksam. „Wir wissen, dass sie helfen können.“

Sonea zögerte kurz, dann nickte sie. Sie holte einen Nexus-Kristall hervor, der in ihrer Hand sanft pulsierte. Mit einem leisen Atemzug konzentrierte sie sich auf die Energie, die sie durchströmte, und spürte, wie die Last der Müdigkeit von ihr wich. „Das ist besser“, sagte sie schließlich, ein Hauch von Farbe kehrte in ihr Gesicht zurück.

Eine Entscheidung treffen

Die Gruppe diskutierte lange, ob sie den nächsten Ort aufsuchen sollten, den Eldryn erwähnt hatte, oder ins Dorf zurückkehren sollten.

„Wenn Eldryn die Karte gefunden hat, werden wir besser vorbereitet sein“, argumentierte Finn. „Blindlings von einem Ort zum nächsten zu laufen, bringt uns nicht weiter.“

„Aber die Zeit läuft uns davon“, widersprach Fenro. „Wer weiß, wie nah die Verfolger inzwischen sind?“

Sonea hob die Hand, um die Diskussion zu beenden. „Ich denke, Finn hat recht. Wenn Eldryn uns eine Karte geben kann, sollten wir die Chance nutzen. Vielleicht hat er auch noch mehr Informationen.“

Zurück im Dorf empfing Eldryn die Gruppe mit einem verschmitzten Lächeln. „Ah, meine mutigen Freunde. Ihr habt den Weg zurückgefunden. Morgen früh werde ich euch die Karte geben, die ihr braucht.“

Sonea trat einen Schritt vor und sah ihn forschend an. „Eldryn, könntest du mir auch ein paar Kräuter für meinen Heilbeutel besorgen?“

„Kräuter?“ Eldryn runzelte die Stirn und wies auf eine kleine Hütte am Rand des Dorfes. „Aurelia Moosglanz ist die richtige Adresse für solche Anliegen.“

Doch als Sonea Aurelia aufsuchte, wurde sie höflich, aber bestimmt abgewiesen. „Es tut mir leid, Sonea“, erklärte Aurelia. „Meine Vorräte sind knapp, und ich muss an die Dorfbewohner denken.“

Unterdessen hatte Xalfein endlich Erfolg bei der Recherche im Buch. „Interessant“, murmelte er vor sich hin. „Man kann die Effekte der großen Kristalle auslösen, wenn man genug kleinere konsumiert. Das könnte unsere Optionen erweitern.“

Ein Plan nimmt Gestalt an

Am nächsten Morgen händigte Eldryn der Gruppe die Karte aus. „Hier“, sagte er und deutete auf die Zeichnungen und Notizen. „Ich habe außerdem mit einem Zauber die Augen eines Adlers genutzt, um unsere Verfolger zu erspähen. Sie sind etwa fünf Tage hinter euch. Euer Ablenkungsmanöver war effektiv, aber sie haben die Spur wieder aufgenommen. Sie verwenden außerdem eine komplexe, magische Konstruktion. Sie scheint ihnen zu helfen, eure Spur zu halten.“

Als die Gruppe ihn nach dem Verbleib einiger Kristalle fragte, die er angeblich in einen See geworfen hatte, grinste Eldryn verschmitzt und demonstrierte seine Fähigkeiten als Gestaltwandler. Vor ihren Augen verwandelte er sich in einen großen Fisch und schien dabei sichtlich amüsiert von der Überraschung seiner Zuhörer.

„Das erklärt einiges“, murmelte Xalfein und schüttelte den Kopf.

Ankunft an den Dämmerklippen

Nach einem weiteren Tag des Reisens erreichten sie die Dämmerklippen. „Wir sind oben“, stellte Finn fest, als sie den Rand einer steilen Klippe betrachteten. „Aber ich hätte erwartet, dass wir unten ankommen.“

„Wir klettern morgen hinunter“, entschied Sonea. „Heute sind wir zu erschöpft.“

Am nächsten Morgen war Fenro der Erste, der hinabstieg. „Ich kann die Kristalle spüren!“ rief er nach oben. Die anderen folgten mit Xalfeins Zauber, der sie sanft wie Federn hinabsinken ließ. Am Boden angekommen, war die magische Präsenz der Kristalle fast überwältigend.

„Da sind sie“, sagte Fenro. „Aber ich sehe keinen Eingang. Keine Höhle, nichts.“

„Und jetzt?“ fragte Finn in die Runde.

Die Gruppe stand ratlos vor den Klippen, während das mystische Glimmen der Kristalle um sie herum die Luft erfüllte und neue Herausforderungen erahnen ließ.

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