Ankunft in einer fremden Welt (Tag 1)

Die Dunkelheit des fremden Himmels hing schwer über ihnen, nur unterbrochen von der flackernden Beleuchtung der Fackeln, die an den Käfigwägen befestigt waren. Sie waren gefangen – die kalte Härte der Eisenstäbe ihrer Zellen und das monotone Rumpeln der Räder waren zu ständigen Begleitern geworden. Die Luft war durchdrungen von dem fernen Heulen des Windes und dem gelegentlichen Knarren der Wägen, während die Bewacher schweigend ihre Arbeit verrichteten.

Die Männer und Frauen, die sie gefangen hielten, trugen dunkle Kutten, die ihre Gestalten in Schatten hüllten. Ihre Gesichter waren verborgen hinter glatt gearbeiteten Masken aus Leder und Holz – maskenhafte Fratzen ohne Mimik, die nicht erkennen ließen, ob Zorn, Gleichgültigkeit oder gar Mitleid hinter diesen stummen Fassaden lauerte. Nur bei den kurzen Pausen am Lagerfeuer, wenn sie ihre Masken zum Essen anhoben, konnten die Gefangenen erahnen, dass darunter Menschen oder etwas Menschliches steckte. Doch selbst dann blieben ihre Gesichter im Schatten verborgen.

Die Reise führte sie durch unwegsames Gelände, entlang steiler Klippen und durch dichte, unheimliche Wälder. Immer wieder begegneten sie anderen Gruppen mit ähnlicher Aufmachung. In rituell anmutenden Bewegungen tauschten diese Kisten oder Säcke aus, die sorgfältig auf einem Wagen in der Mitte der Karawane verstaut wurden. Jedes Mal, wenn sich der Wagen näherte, spürten sie eine unheimliche Anziehungskraft – ein inneres Ziehen, das sie fast gegen ihren Willen hinlockte. Doch gleichzeitig kroch ein eisiges Gefühl der Gefahr in ihre Herzen, wie eine stumme Warnung aus den Tiefen ihres Verstands.

Während der kargen Reise hatte Finn, der menschliche Barde mit seinem prächtigen, stets perfekt gewachsten Schnurrbart, eine Strategie entwickelt, die niemand von einem Gefangenen erwartet hätte: Er setzte seinen unerschütterlichen Charme ein. Mit einer Mischung aus ausdrucksstarken Gesten, melodischem Summen und seinem unverwechselbaren, warmherzigen Lächeln gelang es ihm, die Aufmerksamkeit einer der weiblichen Kultistinnen zu erregen. Trotz der Sprachbarriere schien sie auf eine seltsame Art von seiner Präsenz fasziniert zu sein. Während einer Rast, als die stummen Wächter mit ihrer spärlichen Mahlzeit beschäftigt waren, beugte sich die Kultistin unauffällig zu Finns Käfig und schob ihm heimlich ein Stück Brot durch die Gitterstäbe. Ein flüchtiger Blick, ein Hauch von Unsicherheit in ihren Augen – doch Finn wusste, dass er einen kleinen Sieg errungen hatte, eine winzige Verbindung inmitten der Dunkelheit dieser Reise.

Die Reise in den Käfigwägen wurde für die Gefangenen zu einer endlosen Aneinanderreihung von Schweigen, Angst und gelegentlichen Flüstergesprächen. Serrak, der mürrische Söldner, saß meist still in einer Ecke seines Käfigs. Seine Augen huschten wachsam umher wie die Blicke eines Raubtiers, das seine Umgebung stets im Auge behielt. Tialle, eine verstörte Halbelfe, murmelte oft leise vor sich hin, als wolle sie sich selbst beruhigen. Grusk, der alte Ork, versuchte hin und wieder, mit seiner tiefen Stimme Weisheiten zu teilen, die jedoch oft auf taube Ohren stießen. Maerin, der joviale Zwerg, hielt die anderen mit Geschichten und Anekdoten bei Laune – zumindest so lange, bis er selbst zu erschöpft war, um weiterzusprechen.

Dann war da noch Iysha, die mysteriöse Tieflingsfrau, deren leises, fremdartiges Murmeln und die goldenen Augen die anderen gleichermaßen anzogen und abschreckten. Jeder von ihnen hatte seine eigene Art, die düstere Reise zu überstehen, doch alle verband das ungewisse Schicksal, das sie gemeinsam erwartete.

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