Kampf im Kanal (Tag X)

Dunkelheit und Verzweiflung lasteten schwer auf den Helden – das Herz von Geltuth war nicht zu sehen, aber es musste in der Nähe sein! Sonea war verschleppt, Finn niedergeschlagen, Sugureta im stinkenden Abwasser niedergedrückt und Fuzz reglos im trüben Wasser.

Da erklang ein Poltern am Eingang der Halle. Eine bullige Silhouette füllte den Durchgang, schwer atmend, aber mit funkelndem Blick. Hinter ihm, den Stab erhoben, trat ein alter Priester hervor, dessen Runenrüstung matt im schwachen Licht schimmerte. Er hatte Kleschbumtauch wohl hierher geführt.

„He… ihr habt ohne miff angefangen!“ rief der Ork schmollend, aber doch mit einem tödlichen Grinsen. Seine Axt, von elektrischen Adern durchzogen, blitzte grell auf. Brüllend stürmte er auf den nähesten Kuo-Toa zu. Der Schlag traf mit solcher Wucht, dass Funken über den Körper des Fischwesens zuckten, bevor es reglos zusammensackte.

Sugureta schüttelte den stinkenden Schwall von sich ab, stemmte sich hoch und erblickte den reglosen Fuzz im Abwasser. „Nicht heute…“ knurrte er und presste einen Kristall an den kleinen Leib. Ein warmes Leuchten breitete sich aus, das Fell der Katze schimmerte wieder in Regenbogenfarben – Fuzz schnappte nach Luft, sprang auf die Pfoten und fauchte wild.

Posy stand bebend, Tränen und Wut in seinen Augen. Er schrie, und seine wilde Magie antwortete. In einem Riss aus purpurnem Licht verschwand er – und tauchte auf der Plattform mit der Konsole und dem blutenden Finn wieder auf. Sein Speer bohrte sich durch den Brustkorb eines Kuo-Toa, der mit einem gurgelnden Laut zusammenbrach. Sofort presste er einen Kristall gegen Finns blutverschmiertes Gesicht.

„Komm schon, Bruder! Jetzt nicht einschlafen!“

Finns Lider zuckten. Er sog rasselnd Luft ein, griff taumelnd nach der Laute, die neben ihm lag. Seine Finger glitten über die Saiten – eine grelle, zerstörerische Note explodierte. „Fracturo!“ donnerte seine Stimme, und die Konsole der Kuo-Toa zerbarst in einem Hagel aus Kristallsplittern und Runenfunken. Noch ehe die Gegner reagieren konnten, wirbelte er erneut mit einem Fingerschnippen davon, verschwand von der Plattform in einem Schimmer aus Illusion und Magie.

Fuzz, wieder voller Leben, warf sich fauchend gegen das Gesicht eines weiteren Kuo-Toa, krallte sich in seine Augen und brachte den Fischmenschen schreiend zu Fall.

Wo eben noch Verzweiflung geherrscht hatte, flammte nun Hoffnung auf. Der Kampf war nicht entschieden – aber die Helden standen wieder.


Das Schlachtgetöse hallte durch den Kanal, Funken von Magie und das Aufblitzen der Kristalle zogen wirre Muster in der Dunkelheit.

Finn richtete sich auf, noch taumelnd, die Laute an die Brust gepresst. Mit einer Melodie, die in der Luft wie leuchtende Fäden vibrierte, rief er: „Klesch! Halt durch, mein Großer! Mit deiner Axt zertrümmerst du das Schicksal selbst!“

Die Worte transportierten hilfreiche Magie, doch Kleschbumtauch schien sie kaum wahrzunehmen. Seine Augen funkelten, auf den Priester fixiert, als sei nur noch der eine Weg vor ihm wichtig.

Sugureta nutzte die Gelegenheit, um mit unglaublicher Geschmeidigkeit über die rauchenden Reste der Barrikade zu laufen. Sein Körper wirkte fast schwerelos, wie ein Tänzer des Krieges, während er die Splitter und glühenden Balken wie nichts überquerte, um dem Priester näherzukommen. Klesch folgte ihm weniger geschickt, er bahnte sich mit roher Kraft einen Weg, die Axt in beiden Händen, sein Atem wie ein Sturm.

Der Kuo-Toa-Priester ließ den zusammenbrechenden Portalzauber fallen, erhob seine Hände und murmelte dunkle, blubbernde Worte. Doch als die Magie Klesch traf, flackerte sie wirkungslos, zerschellte an einem unsichtbaren Widerstand. Der Ork stapfte unaufhaltsam weiter.

„Hehe… jetzt krieg‘ ich dich!“ knurrte Klesch, die Axt erhoben und sein Sprachfehler durch die rasende Wut in ihm wie weggeblasen.

Indessen breitete sich ein stechender, widerlicher Geruch im Konsolenraum aus. Posy hatte seine urtümliche Gabe entfesselt – eine dichte, übelriechende Wolke erfüllte die Kammer. Die Kuo-Toa husteten, wanden sich, stolperten, unfähig, ihre Waffen richtig zu führen. Fuzz nutzte das Chaos, sprang zwischen ihnen herum wie ein Regenbogenblitz, und jeder Schlag seiner Krallen war begleitet von einem panischen Schrei der Fischwesen.

Abseits des Kampfes erwachte Sonea. Sie lag in einem Zeltverschlag, das dumpfe Licht von Kristallen warf flackernde Schatten an die Wände. Noch immer hielt sie das Netz, in das sie verwickelt war, doch mit einem konzentrierten Atemzug veränderte sich ihre Gestalt. Ihr geschmeidiger Körper wich einem harten Panzer, scharfen Scheren – eine Krabbe kroch aus den Fesseln hervor. Mit schnittigen Bewegungen zertrennte sie das Netz und befreite sich.

Auf dem Hauptfeld der Schlacht erhob der Priester erneut seine Hände, diesmal mit einer Inbrunst, die die Luft zum Vibrieren brachte. Dunkle Energien schossen hervor, klammerten sich an Klesch wie Fesseln aus schleimigen Ranken. Der Ork brüllte, doch seine Glieder gehorchten ihm nicht. Sein Körper erstarrte mitten im Schritt.

„Nein!“ Sugureta rief, doch er war noch zu weit entfernt.

Die Wächter des Priesters witterten ihre Chance. Mit hämischen, quakenden Rufen schlugen sie ihre Knüppel auf den wehrlosen Ork nieder. Klesch taumelte, doch er konnte weder parieren noch ausweichen – und jeder Schlag hallte wie ein Trommelschlag der Niederlage durch den Raum.

Die Schlacht hing nun an einem seidenen Faden – und der Atem des Finales stand in der Luft.


Ein Knistern erhellte die düstere Halle – Xalfeins Finger zuckten, und Feuerbolzen schossen wie brennende Pfeile durch die Luft. Sie trafen den Priester, sengten die schleimige Haut und die konzentrierte Fessel-Magie zerbrach in einem Schwall zischender Funken.

Kleschbumtauch keuchte, spürte, wie die unsichtbaren Fesseln von ihm abfielen. Sein Körper gehorchte wieder. Mit einem triumphierenden Gebrüll stürmte er vorwärts, die Blitz-Axt hoch erhoben. „Heheee! Jetzt bist du dran!“

Die Waffe sauste herab – doch im letzten Moment erklang ein Ruf hinter ihm, die Stimme eines Gefährten, die ihn zurückrief ins Hier und Jetzt: „Wir brauchen ihn vielleicht noch!“. Klesch hielt inne, wandte die Axt, und mit der flachen Seite schlug er den Priester bewusstlos. Der Kuo-Toa sank zu Boden, glitschig, aber lebendig.

Die verbliebenen Wächter hatten weniger Glück. Posys wilder Speer, Suguretas Klingen, Fuzz’ blitzschnelle Krallen, Finns Zauber, Xalfeins gleißende Geschosse – alles ergoss sich über sie wie eine Flut unaufhaltsamer Macht. Einer nach dem anderen gingen sie zu Boden, bis nur noch das Echo des Kampfes zwischen den steinernen Wänden hing.

Schwer atmend richtete sich Xalfein auf, seine weißen Haare klebten an der feuchten Stirn. Er schloss die Augen, murmelte eine Formel, und ein unsichtbares Netz aus Wahrnehmung spannte sich um ihn. „Dort…“ raunte er schließlich und trat in den Zeltverschlag, in dem Sonea eben noch gefangen gewesen war. Ein Leinensack lag in der Ecke, unscheinbar, doch erfüllt von Macht. Xalfeins Hände zitterten, als er ihn öffnete – und darin das Herz von Geltuth fand, geschrumpft und in Stoff gehüllt, doch unverkennbar.

„Wir haben es,“ sprach er, seine Stimme voller kalter Genugtuung.

Die Helden sammelten sich, versorgten hastig ihre Wunden. Fetzen von Verbänden, Kristallenergie, einfache Knoten – es war kein Luxus, nur das Nötigste, um noch stehen zu können. In der stickigen Dunkelheit des Kanals blickten sie einander an.

„Zum Padisha?“ fragte Finn und wischte sich das Blut von der Stirn, sein Grinsen matt, aber noch da. „Wir können mit einer Belohnung rechnen, bevor uns die nächste Katastrophe ereilt.“

Sugureta knurrte, sein Blick ernst. „Nerivess… sie wartet. Die verstossene Meereselfin.“

Sonea, noch erschöpft, nickte schwach. „Beides wird Schicksal formen. Die Frage ist nur… welchen Weg gehen wir zuerst?“

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