„Susi“, die Kultistin
Unter den stummen, maskierten Gestalten, die die Karawane bewachten, fiel sie kaum auf – ein Schatten unter Schatten, nur ihre Bewegungen etwas langsamer, ihre Haltung etwas zögernder. Doch die Gefangenen spürten, dass etwas anders war. Während die anderen Wächter mit kalter Präzision ihre Aufgaben ausführten, hatte sie Momente der Menschlichkeit gezeigt. Ein Blick, der länger verweilte, als ob sie den Schmerz hinter den Gitterstäben sah. Ein Stück Brot, hastig durch die Stäbe geschoben, ein Flüstern, das vielleicht Worte des Trostes hätte sein können, wären die Masken nicht dazwischen gewesen. Sie war keine Retterin, das war klar. Aber in einer Welt, die von Dunkelheit und Geheimnissen verschlungen war, schien sie ein schwacher, flackernder Funke von Mitleid zu sein – und das reichte, um sie unvergesslich zu machen.
Doch ihr Ende war ebenso still wie ihre Taten, als sie reglos zwischen den Trümmern lag, ihre zerbrochene Maske das einzige Zeugnis eines kurzen Moments der Menschlichkeit inmitten der Dunkelheit.
