Eldryn Wurzelseher, Cervide Heckenhexer

Der gescheiterte Hüter des Gleichgewichts

Volk: Cervide
Alter: Unbekannt, vermutlich über ein Jahrhundert alt
Haar-/Fellfarbe: Graubraun, von Alter und Magie gezeichnet
Augenfarbe: Bernsteinfarben, oft unstet und getrieben
Haltung: Gebeugt, aber nicht gebrochen
Erkennungsmerkmale: Majestätisches Geweih, überwuchert mit Moos und kleinen Ranken; abgetragene, mit Blättern und Rindenstücken verzierte Robe; knorriger Stab mit verborgener magischer Kraft

Überblick

Eldryn Wurzelseher war einst ein angesehener Heckenhexer und Wächter der natürlichen Balance im uralten Wald, wo sein Dorf tief verborgen lag. Sein Wissen über die Naturmagie war legendär, ebenso wie seine unerschütterliche Überzeugung, dass nur er allein die wahre Essenz der Harmonie verstand. Doch wie so viele, die sich als Hüter des Gleichgewichts sahen, verfing er sich in seinem eigenen Stolz – und scheiterte.

In seinem Streben nach Perfektion versuchte Eldryn, den Konflikten in seinem Dorf ein Ende zu setzen, indem er einen mächtigen Nexus Kristall in den Stamm des Dorfbaumes bettete. Die Energie dieses Steins sollte die Unruhe besänftigen, den Streit zwischen Fortschritt und Tradition beenden und dem Dorf einen ewigen Zustand der Harmonie schenken. Doch was als Lösung gedacht war, wurde zur Katastrophe. Der Kristall begann, die Seelen der Dorfbewohner in einen tiefen, traumlosen Schlaf zu ziehen, aus dem sie ohne Eingriff nie wieder erwachen würden.

Die Dorfbewohner wurden zu Gefangenen eines perfekten, aber unbeweglichen Moments, während Eldryn als einziger Wachgebliebener langsam dem Wahnsinn verfiel. Wochenlang durchstreifte er das verlassene Dorf, sprach mit den Schlafenden, suchte nach einer Lösung und stritt mit sich selbst darüber, ob sein Werk wirklich ein Fehler war – oder nur missverstanden wurde.

Erscheinung

Eldryn war einst von imposanter Gestalt, doch die Last der Schuld hat ihn gebeugt. Sein Fell ist graubraun und zeigt die Zeichen der Zeit, sein einst kräftiger Körper ist nun dünn, aber drahtig, von einem Leben in der Wildnis gezeichnet. Sein Geweih, einst stolz und mächtig, ist mit Moos überwachsen, als wäre er selbst zu einem Teil des Waldes geworden, den er einst schützen wollte. Kleine Pilze sprießen an den unteren Rändern, ein Symbol dafür, dass die Natur sich auch ihn langsam zurückholt.

Sein Gesicht ist hager und von Linien durchzogen, die sowohl Alter als auch Rastlosigkeit widerspiegeln. Seine bernsteinfarbenen Augen flackern unstet – manchmal durchdringend scharf, manchmal verschwommen, als würde er mit Wesen sprechen, die nur er sehen kann. Seine Stimme ist brüchig, aber wenn er von seiner einstigen Weisheit spricht, klingt darin noch immer ein Hauch von Arroganz mit.

Persönlichkeit und Verhalten

Eldryn war immer ein Mann der Natur und der Magie, aber auch einer, der ungern infrage gestellt wurde. Sein tiefes Verständnis für die Magie des Waldes machte ihn stolz, doch dieser Stolz wurde mit den Jahren zu einer gefährlichen Selbstüberschätzung. Er glaubte, das Gleichgewicht nicht nur zu wahren, sondern aktiv gestalten zu können – und zahlte den Preis dafür.

Seit dem Unglück seines Dorfes war Eldryn in einem ständigen Zwiespalt gefangen: Er sah sich sowohl als Opfer als auch als Verursacher, als Retter und als Schuldigen. Sein Verstand war von Einsamkeit und Schuldgefühlen gezeichnet, seine Worte sprangen oft zwischen Verzweiflung und Größenwahn hin und her.

Er konnte innerhalb weniger Sätze von flehender Hilfesuche zu abwehrendem Trotz wechseln. Ein Teil von ihm wollte die Hilfe der Abenteurer, doch ein anderer Teil weigerte sich, die Kontrolle abzugeben – denn tief in seinem Inneren glaubte er noch immer, dass niemand außer ihm fähig war, die Situation zu verstehen.

Fähigkeiten und Magie

Trotz seiner Schwäche war Eldryn immer noch ein mächtiger Heckenhexer. Seine Magie war eng mit der Natur verbunden, und auch wenn der Fluch des Kristalls ihn auslaugte, konnte er noch immer gewaltige Kräfte entfesseln, wenn es darauf ankam.

Doch all seine Macht konnte den Fluch nicht rückgängig machen – dafür brauchte es einen klaren Verstand und Demut, beides Dinge, die Eldryn verloren hatte.

Nach dem Fluch

Nachdem die Abenteurer den Kristall zerstörten und das Dorf retteten, fiel Eldryn in einen tiefen, erschöpfungsbedingten Schlaf. Als er erwachte, war er ein anderer Mann – noch immer von der Schuld gezeichnet, doch zum ersten Mal seit Langem ohne die Last der Isolation.

Obwohl seine Magie geschwächt war, beschloss Eldryn, seine verbliebenen Kräfte dafür einzusetzen, den Abenteurern zu helfen. In seiner Zeit als Heckenhexer hatte er viele Nexus Kristalle gesammelt und an verborgenen Orten in der Wildnis versteckt – ein Wissen, das nun von unschätzbarem Wert war.

Sein Stolz war nicht völlig verschwunden, doch er hatte gelernt, dass wahre Weisheit nicht bedeutet, alles allein kontrollieren zu müssen. Mit wachem Blick und leichtem Spott in der Stimme begleitete er die Abenteurer nun ein Stück ihres Weges – ob aus Dankbarkeit, aus Schuld oder einfach, weil er eine neue Aufgabe brauchte, wusste wohl nur er selbst.