Korr Valuun – Der Flutgardist

Wenn Korr Valuun einen Raum betritt, weicht das Gemurmel wie eine zurücklaufende Welle. Nicht, weil er laut wäre – im Gegenteil. Seine Präsenz ist die eines unbewegten Felsens in der Brandung: schwer, beständig, unerbittlich.

Der Meereself ist breitschultrig und kräftig gebaut, seine Gestalt erinnert eher an einen gewichthebenden Veteranen als an einen eitlen Athleten. Hellblaue Haut spannt sich über wuchtige Muskeln, dunkle Tätowierungen ziehen sich in strengen, geometrischen Linien über Brust und Arme – Zeichen alter Feldzüge, Siege und vielleicht auch Schwüre. Seine Rüstung aus gehärteter Schildkrötenpanzer-Koralle wirkt weniger wie ein Kunstwerk denn wie eine Festung, die er am Leib trägt: funktional, massiv, unnachgiebig.

Eines seiner Augen ist milchig und leer – das Andenken an eine längst vergangene Schlacht. Doch sein verbliebenes Auge ist wachsam wie das eines Raubfisches. Es entgeht ihm wenig.

Als Hauptmann der königlichen Garde und oberster Befehlshaber der Armee unter Nasiha ist Korr Valuun das schlagende Herz der militärischen Ordnung. Er glaubt an klare Hierarchien, an Befehl und Gehorsam, an Disziplin als höchste Tugend. In seinen Augen ist die Welt ein Schlachtfeld, das nur durch Stärke in Form gehalten wird. Chaos, künstlerische Ausschweifung oder gar träumerische Ideale betrachtet er mit unverhohlenem Misstrauen – sie sind für ihn Risse im Fundament der Ordnung.

Seine Loyalität gegenüber Nasiha ist unumstößlich. Er folgt ihr nicht aus blinder Verehrung, sondern aus Überzeugung: Sie verkörpert in seinen Augen jene Stärke, die notwendig ist, um die Fluten im Zaum zu halten. Und sollte es nötig sein, so wird er diese Ordnung mit harter Hand durchsetzen.

Man sagt, er verbringe ungewöhnlich viel Zeit mit ausgewählten Soldaten, die er persönlich ausbildet – Kämpfer von außergewöhnlicher Disziplin, deren Reaktionen beinahe übernatürlich präzise wirken. Manche berichten, sie bewegten sich im Gefecht wie von einem gemeinsamen Puls geleitet, als hörten sie einen lautlosen Befehl, bevor er gesprochen wird. Korr selbst spricht nicht darüber. Er nennt es lediglich „Verbesserung der Einsatzbereitschaft“.

Magier meidet er. Zauberer nennt er mit einem knappen Schnauben „Träumer“. Für ihn zählt nur, was man mit eigener Kraft halten kann – mit Schild, Speer und unbeugsamem Willen.

Korr Valuun ist kein Mann großer Worte. Doch wenn er spricht, klingt es wie ein Urteil. Und wenn er befiehlt, gehorcht selbst die Brandung.