Gesandtschaft aus der Freistatt Korallon

Die Hallen des Padischahs flirren im gedämpften Schimmer phosphoreszierender Korallen, als die Gesandtschaft aus der Freistatt Korallon Einlass begehrt. Strömungen weichen ehrfürchtig zur Seite, während drei Gestalten zwischen den schwebenden Säulen aus Perlmutt und lebendem Riff herangleiten.

Kapitänin Velra Dimshell

An ihrer Spitze bewegt sich Kapitänin Velra Dimshell, eine Tritonin von stolzer Haltung und scharf geschnittenen Zügen. Ihr Haar treibt wie ein dunkler Tangschleier hinter ihr her, durchzogen von feinen Silberperlen – Zeichen ihres Ranges im Händlerkonzil von Korallon. Ihre Rüstung ist nicht prunkvoll, doch kunstvoll gearbeitet: Schuppen aus gehärtetem Seeglas liegen eng an ihrem athletischen Körper, jede einzelne poliert wie eine Handelsmünze.

Ihre Stimme trägt weit, auch ohne Lautstärke. Sie spricht mit der Selbstverständlichkeit einer Frau, die es gewohnt ist, Verträge auszuhandeln, Preise zu diktieren und Flotten zu entsenden. In ihren Worten liegt Sorge – Berichte von Sahuagin-Überfällen, von versunkenen Karawanen und blutigen Brandmalen an den Grenzriffen. Doch ebenso klar schwingt Stolz mit. Korallon ist eine Freistatt. Frei im Handel. Frei im Bündnis. Frei in der Entscheidung, wem es seine Tore öffnet.

Manche ihrer Formulierungen schneiden schärfer als ihre Klinge. Hilfe werde dankbar angenommen, sagt sie – doch Korallon sei gezwungen, „alle Optionen“ zu prüfen, sollte Unterstützung ausbleiben.

Zekko

Zu ihrer rechten schwebt ein Mensch in reich besticktem Gewand, dessen Stoff mit einer dünnen, schimmernden Membran versiegelt wurde, um dem Druck der Tiefe zu trotzen. Zekko lächelt häufig – ein schmales, öliges Lächeln, das selten seine Augen erreicht. Diese Augen wandern. Über Wachen. Über Schmuckstücke. Über Reaktionen.

Er spricht in weichen Formulierungen, flicht Zahlen und Möglichkeiten ein, betont „gegenseitige Vorteile“ und „lukrative Perspektiven“. Seine Finger spielen gedankenverloren mit einem Siegelring, der das Wappen Korallons trägt – etwas zu auffällig, als dass es rein dekorativ wäre.

Gelegentlich ergänzt er die Worte der Kapitänin um kleine Nuancen. Winzige Verschiebungen. Aus einer Bitte wird ein Angebot. Aus einem Angebot beinahe eine Bedingung.

Madam Ternelle

Die Eladrin ist eine Fremde in dieser Welt aus Wasser und Strömung. Ihre Haut trägt den sanften Schimmer fernen Sonnenlichts, das hier niemals scheint. An ihrem Hals liegen filigrane, silbern schimmernde Apparaturen – künstliche Kiemen, kunstvoll gearbeitet, durchzogen von leise pulsierenden Runen.

Ihre Augen sind von jenem klaren, fast kristallinen Blau, das an hohe, dünne Luft erinnert. Sie sagt wenig. Wenn sie spricht, dann in wohlgesetzten Sätzen, die höflich, beinahe zart klingen. Ihr Blick jedoch ruht selten auf dem Padischah allein. Er gleitet über Architektur, Wachenaufstellungen, magische Siegel – als lausche sie einem Gespräch, das niemand sonst hören kann.

Manche Strömungen um sie herum verhalten sich seltsam. Als weiche das Wasser für einen Herzschlag zurück, nur um sich sofort wieder zu sammeln.

Der unausgesprochene Kern

Offiziell ersucht die Gesandtschaft militärische Unterstützung gegen die zunehmenden Überfälle der Sahuagin. Korallon wolle seine Handelsrouten sichern, seine Bürger schützen, seine Freiheit bewahren.

Inoffiziell schwingt in der Bitte eine Frage mit, die nicht ausgesprochen wird:

Wie weit reicht die Macht des Padischahs – und wie sehr braucht er Korallon selbst?

Die Halle wartet.
Strömungen kreisen.
Und zwischen höflichen Worten und diplomatischen Gesten wächst das Gefühl, dass diese Begegnung mehr ist als ein Hilfegesuch.