Posy
Posy war ein Kind der Wildnis, geboren in einer Welt, in der Freiheit und Stärke alles bedeuteten. Sein Volk, die Mephitiden – humanoide Stinktierwesen mit kräftigen, gestreiften Fellen und einem unverwechselbaren, scharfen Geruch – war für ihre Unabhängigkeit und Anpassungsfähigkeit bekannt. Posys Stamm lebte nomadisch, zog durch die Ebenen, Wälder und Wüsten, stets auf der Suche nach neuen Jagdgründen und fruchtbarem Land. Ihre Lebensweise war einfach und roh, doch sie achteten die Natur und lebten in einem rauen Einklang mit ihr.
Von klein auf lernte Posy, zu kämpfen und zu überleben. Der Stamm vertraute auf die uralten Traditionen der Barbaren: Geschichten von wilden Ahnengeistern, die ihnen Kraft verliehen, Rituale, die das Blut aufheizten und die Sinne schärften, und Prüfungen, die nur die Stärksten überlebten. Posy war kein außergewöhnlicher Kämpfer – zumindest nicht körperlich. Doch seine Neugier und sein Wille, das Unbekannte zu verstehen, machten ihn anders. Während die anderen Stammesmitglieder Jagdtechniken oder die Handhabung der traditionellen Waffen perfektionierten, zog es Posy immer wieder zu den Legenden und den Geheimnissen der Welt.
Die Begegnung mit den Machtsteinen
Die Machtsteine waren ein Teil der Geschichten seines Stammes, doch sie wurden mit Misstrauen betrachtet. Die Ältesten lehrten, dass die großen Steine gefährlich waren, eine fremde Kraft, die mehr nahm, als sie gab. Dennoch nutzte der Stamm kleinere Machtsteine in ihrem Alltag, vor allem zur Heilung von Wunden oder zur Beruhigung wilder Tiere. Posy war oft für die Pflege dieser Steine zuständig – eine Aufgabe, die er mit Hingabe erfüllte. Die kleinen Steine reagierten gut auf seine Berührungen, und seine sanfte Art schien ihre Energie zu beruhigen. Doch das änderte sich an dem Tag, als der Stamm auf einen mächtigen Machtstein stieß.
Es geschah während eines harschen Winters, als die Nomaden gezwungen waren, tiefer in die Wälder vorzudringen als je zuvor. In einer tiefen, von Felsen umschlossenen Lichtung fanden sie den Stein – einen monolithischen Kristall, der in einer Unzahl von Farben schimmerte. Seine Präsenz war überwältigend, sein Licht flackerte wie ein Herzschlag, und seine Ausstrahlung erfüllte die Luft mit einer drückenden Stille. Die Ältesten berieten sich und beschlossen, das Lager weiterzuziehen, denn solche Steine brachten in ihren Augen nur Unheil.
Doch in der Nacht geschah etwas Seltsames. Posy erwachte aus einem Traum, in dem er von Schatten und Farben umgeben war, die wie lebendige Wesen tanzten. Ein unwiderstehliches Verlangen ergriff ihn, und ehe er es sich versah, hatte er das Lager verlassen. Der Machtstein rief nach ihm, sein Licht schien ihn durch die Dunkelheit zu leiten.
Als Posy die Lichtung erreichte, konnte er sich kaum bewegen. Es war, als ob der Stein ihn ergriffen hätte, seine Gedanken und seine Seele durchdrang. Das Licht pulsierte schneller, intensiver, und Posy fiel auf die Knie. Farben fluteten seinen Geist, zeigten ihm wirre Bilder von gewaltigen Schlachten, von Kreaturen, die die Erde zerbrachen, und von einem Schatten, der alles Licht verschlang. Ein Teil von ihm wollte fliehen, doch ein anderer Teil wollte den Stein berühren, seine Kraft fühlen, ihn verstehen.
Er wusste nicht, wie lange er dort kniete. Als er schließlich erwachte, lag er am Rand der Lichtung, der Stein schien seine Farben verloren zu haben, und seine Stammesmitglieder standen um ihn herum, besorgt und voller Misstrauen. Posy war unverletzt, doch etwas hatte sich in ihm verändert. Seit diesem Tag verspürte er ein seltsames Ziehen in seinem Inneren, das ihn manchmal zu Orten oder Dingen führte, die er nicht erklären konnte. Er hielt es vor seinem Stamm geheim, doch tief in seinem Herzen wusste er, dass der Stein etwas in ihm geweckt hatte – eine Verbindung, die er weder verstand noch kontrollieren konnte.
Die Veränderung in Posy blieb nicht unbemerkt. Seine Träume wurden lebhafter, und er begann, Dinge vorauszusehen – Stürme, Begegnungen mit Feinden oder die Bewegungen von Wildtieren. Die Ältesten betrachteten ihn mit Argwohn, und schließlich wurde ihm klar, dass seine Anwesenheit den Stamm in Gefahr bringen könnte. Er entschied sich, die Nomaden zu verlassen, und wanderte alleine durch die Welt, auf der Suche nach Antworten.
