Hintergrund Fenro
Fenro, der Jäger der Schatten
Fenro bewegte sich mit der lautlosen Präzision eines Raubtiers durch die Dunkelheit. Sein Fell, dicht und widerstandsfähig, bot nicht nur Schutz vor der Kälte der Wildnis, sondern auch gegen die scharfen Zähne der Bestien, die sich in den finsteren Winkeln der Welt verbargen. Seine gelben Augen funkelten wie Glut in der Dunkelheit, und seine Nase – fein geschult durch unzählige Stunden des Jagdtrainings – nahm selbst den leisesten Hauch von Blut in der Luft wahr. Er war ein Kind der Nacht, geformt von der Wildnis, geleitet von den alten Geschichten seines Volkes.
Geboren und aufgewachsen in einem der nomadischen Blutrudel, kannte Fenro das Leben als Wanderer und Jäger besser als jedes feste Heim. Seine Kindheit bestand aus der Jagd, dem Sammeln von Kräutern und dem Lernen der uralten Wege der Garoul. Die Ältesten lehrten ihn, wie man die Zeichen des Waldes liest, wie man jede Jagd respektvoll beendet – von der ersten Witterung bis zum letzten Atemzug der Beute. In seiner Gemeinschaft war es undenkbar, mehr zu nehmen, als man brauchte. Selbst das kleinste Tier verdiente es, mit Achtung behandelt zu werden. Doch die Wildnis war kein freundlicher Ort, und Fenro hatte früh gelernt, dass nicht jedes Wesen die gleiche Achtung verdiente. Manche Kreaturen brachten nur Tod und Leid, und für diese gab es nur eine Antwort: die Blutjagd.
Fenro war ein Meister seines Handwerks. Seine Klauen – geschärft durch endlose Kämpfe – rissen durch Fleisch und Knochen, ein natürlicher Teil seines tödlichen Arsenals. Mit dem Bogen war er ebenso vertraut, seine Pfeile fanden ihr Ziel mit unheimlicher Präzision, sein Blick schärfer als der eines Falken. Er jagte mit Geduld, verfolgte seine Beute über Tage, Wochen, bis sich der perfekte Moment bot. Dann schlug er zu – erbarmungslos, lautlos, endgültig. Seine Beute sah ihn oft erst, wenn es bereits zu spät war.
Die Dunkelheit war ihm kein Feind. Dank der Gaben seines Volkes konnte er in der Finsternis sehen, wo andere blind waren. Tief unter der Erde, wo kein Mondlicht die Schatten brach, fühlte er sich ebenso sicher wie unter dem offenen Himmel. Er spürte, wie tief er unter der Erde war, kannte die Wege alter Tunnel, die Gefahren und Zufluchtsorte, die dort verborgen lagen. In der Dunkelheit zu leben, bedeutete für ihn nicht nur Überleben – es war eine zweite Heimat.
Aber Fenro war mehr als nur ein Jäger. Er war ein Vollstrecker, ein Bringer des Endes für jene, die sich seinem Groll verdienten. Er kannte das Lied des Todes, hatte es in den Schreien von Bestien und in den leisen Seufzern der Sterbenden gehört. Manche Wesen lebten länger, als sie sollten, und Fenro wusste, dass er derjenige war, der diese Ungleichgewichte korrigierte. Es gab Kreaturen, die die Welt nicht mehr ertragen konnte – Vampire, abscheuliche Lykanthropen, Wesen, die dem Tod selbst getrotzt hatten. Sie alle hatten ihre Zeit überschritten, und es war seine Pflicht, sie zu jagen.
Sein Name war geflüstert unter denen, die den Zyklus des Lebens verstanden. Er war Fenro, der Jäger der Schatten, der Späher in der Dunkelheit, der Vollstrecker des Endes. Und wenn der Vollmond am Himmel stand, hallte sein Name in den Wäldern – eine Warnung für seine Feinde und ein Ruf für jene, die ihn ehrten.
