Olaf, der Dissonante
Olafs Lied vom eigenen Kreis
Man sagt, dass Olaf einst Teil des großen Schwarms war, ein Ton unter vielen, getragen von Harmonie und gemeinsamem Atem. Doch aus Gründen, die selbst Mirelia nicht mehr besang, löste sich sein Klang aus dem Geflecht. Vielleicht war es eine Frage zu viel. Vielleicht ein Schweigen zur falschen Zeit. Vielleicht einfach der Moment, in dem ein Lied sich verändern musste.
Als Olaf fiel, blieb er nicht stumm.
Doch seine Stimme verlor die Ordnung.
Wo zuvor Melodie gewesen war, entstand Dissonanz – ein Zittern, ein Drängen, ein schneidender Unterton, der das Wasser selbst beunruhigte. Andere wichen zurück. Die Strömungen mieden ihn. Und Olaf begann zu glauben, sein Klang sei ein Fehler, ein Riss im großen Gesang der Tiefe.
So trieb er allein.
Bis jene kamen, die hörten, ohne sofort zu urteilen.
Die Helden vernahmen in Olafs dissonanter Stimme nicht nur Schmerz, sondern Eigenständigkeit. Sie blieben, wo andere flohen. Sie lauschten, wo andere sich verschlossen. Und sie sagten ihm etwas, das Olaf nie zuvor vernommen hatte:
Dass ein falscher Ton nicht immer falsch ist –
manchmal ist er nur der Anfang eines neuen Liedes.
Langsam begann Olaf zu antworten. Unruhig zuerst, abgehackt, voller Widerstände. Doch mit jedem Austausch veränderte sich sein Klang. Nicht harmonischer im alten Sinn – sondern klarer. Wahrer. Sein Leuchtkern pulsierte nicht mehr im Takt eines fremden Schwarms, sondern in seinem eigenen Rhythmus.
Die Helden sprachen von Kreisen.
Nicht von jenen, die ausschließen – sondern von solchen, die entstehen.
Und Olaf verstand.
Er erkannte, dass er nicht zurückkehren musste, um vollständig zu sein. Dass ein Schwarm nicht immer aus Übereinstimmung geboren wird, sondern aus Resonanz. Aus Wesen, die denselben Mut teilen, ihren eigenen Ton zu halten.
Seit jenem Tag zieht Olaf nicht mehr ziellos durch die Tiefe.
Manchmal hört man neue Stimmen bei ihm – vorsichtig, suchend, noch ungeschliffen. Klänge, die nicht in Mirelias Chor passen, aber auch nicht verloren gehen wollen.
Und so heißt es nun in den Strömungen:
Dort, wo der Gesang rau ist und dennoch trägt,
dort, wo Dissonanz nicht unterdrückt, sondern gehalten wird,
dort wächst Olafs Schwarm –
langsam, eigenwillig, und unausweichlich.
