Aufbruch zum Dorf (Tag 2)
Die Realität des Chaos begann, in die Gedanken der Gruppe einzudringen, als das Licht der Machtsteine langsam an Intensität verlor. Der Schlachtplatz war ein Trümmerfeld aus zerstörten Käfigen, zerbrochenen Waffen und verstreutem Hab und Gut. Die Gefährten standen still, ihre Gedanken schwer von der Begegnung mit der unerklärlichen Macht der Steine und dem brutalen Kampf. Es war Finn, der schließlich die bedrückende Stille durchbrach. „Wir können hier nicht bleiben“, sagte er, seine Stimme leise, aber eindringlich. „Was auch immer diese Steine in uns getan haben, was auch immer diese Kreaturen waren – wir müssen fort.“
Mit zögernden Schritten begannen sie, den Ort zu durchsuchen, jeder auf der Suche nach unbeschädigter Ausrüstung oder einem Hauch von Normalität. Fenro nahm seinen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen, Xalfein hob seine Robe aus der Asche und eine Lederhülle auf. Serak sicherte eine kräftige, eisenbeschlagene Keule aus den Überresten eines Wagens, während Maerin eine verschlissene, aber tragbare Tasche voll Proviant zusammenstellte. Grusk war wie vom Erdboden verschlungen, er schien sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht zu haben.
Finn hingegen hatte nur eines im Sinn. Sein Blick wanderte suchend umher, bis er sie entdeckte: die Kultistin, die ihm heimlich Brot zugesteckt hatte. Sie lag reglos am Boden, ihre Maske zerschmettert, doch ihr Gesicht wirkte seltsam friedlich. Neben ihr lag ein wunderschön verzierter Dolch, dessen Griff mit filigranen Mustern und kleinen Edelsteinen geschmückt war. Finn kniete sich nieder und nahm den Dolch in die Hand, während er einen Moment inne hielt, um stumm seinen Respekt zu zollen. „Danke, Susi.“ flüsterte er leise, bevor er aufstand und sich den anderen anschloss.
Sonea hatte all das schweigend beobachtet, ihr Blick fest auf den zerbrochenen Käfig, der vor Kurzem noch die Freiheit ihrer neuen Bekanntschaften geraubt hatte. Als die anderen sich um sie scharten, spürte sie die unausgesprochene Erwartung in der Luft. „Ich kenne einen Ort, an den wir gehen können“, sagte sie schließlich widerwillig. „Mein Dorf… meine Mentorin Erynn könnte uns vielleicht helfen, zu verstehen, was mit uns passiert ist.“ Sie zögerte kurz, dann fügte sie hinzu: „Aber seid gewarnt – sie wird nicht erfreut sein, Fremde zu sehen.“

Ohne eine wirkliche Alternative nickten die Gefährten, und mit den ersten schwachen Strahlen des Morgenlichts begaben sie sich auf den Weg, dem ungewissen Pfad entgegen, der sie tiefer in die Wildnis und zu den Geheimnissen von Soneas Welt führen würde.


