Fenro
Fenro war schon immer ein stolzes Mitglied seiner Nomadengruppe, einem Rudel von Garoul, die durch die wilden Lande zogen und ihre Lebensweise an die alten Traditionen ihrer lycanthropen Vorfahren knüpften. Die Garoul waren geschickte Jäger und Sammler, die von den Mythen und Geschichten ihrer Ahnen zehrten. Fenro war als Jäger besonders geachtet, bekannt für seine scharfen Sinne und seine unerschütterliche Entschlossenheit. Seine Mutter erzählte ihm oft von den großen Bestien, die einst die Welt durchstreiften, und Fenro träumte davon, eines Tages eine dieser Kreaturen zu jagen – nicht aus Grausamkeit, sondern aus Respekt vor der uralten Verbindung zwischen Jäger und Beute.
Der Tag der Jagd
Eines späten Herbsttages, während die Gruppe am Rand eines dichten Waldes lagerte, bot sich Fenro die Gelegenheit, den Abendtisch mit frischem Wild zu bereichern. Die kühle, feuchte Luft war erfüllt von den erdigen Düften des Waldes, und die Fährte eines großen Hirschs führte ihn tiefer in die Wildnis, als er es normalerweise gewagt hätte. Mit seinem Bogen gespannt und jedem Geräusch lauschend, fühlte er die uralte Macht des Waldes um sich herum – eine Verbindung, die er immer als Segen seiner Herkunft betrachtete.
Doch plötzlich veränderte sich die Stimmung. Die Luft wurde drückend, und eine unheimliche Stille legte sich über den Wald. Fenro spürte, dass er beobachtet wurde. Er wirbelte herum, als plötzlich eine Gruppe von Gestalten aus den Schatten trat. Sie trugen lange, dunkle Gewänder, ihre Gesichter verborgen hinter maskenhaften Visagen, die keinerlei Emotion zeigten.
Noch bevor Fenro reagieren konnte, warfen die Kultisten ein schweres Netz nach ihm. Seine Reflexe retteten ihn vor der ersten Attacke, und mit einem Knurren riss er sich los, sein Herz hämmernd vor Adrenalin. Er rannte, sprang über umgestürzte Bäume und duckte sich unter tiefhängende Äste, während die Maskierten ihm durch den Wald folgten. Ihre Bewegungen waren unnatürlich schnell und präzise, als hätten sie jede Ecke des Waldes auswendig gelernt.
Fenro war flink und er konnte die Kultisten abhängen. Als er in einer Lichtung stoppte, um den Geruch der Luft nach ihren Spuren zu prüfen, traf plötzlich ein schwerer Schlag seinen Hinterkopf. Alles wurde schwarz.
Als Fenro wieder zu sich kommt, findet er sich einem Gefängniswagen wieder. Seine Sinne sind geschärft – ein weiteres Erbe seiner Vorfahren –, und er kann die Anwesenheit von Macht spüren.
