Hintergrund Sonea Windfang
Sonea Windfang
Sonea Windfang wuchs im Schatten der uralten Wälder auf, wo ihr Volk, das Hirschvolk, seit Generationen in Einklang mit der Natur lebte. Ihre Heimat war ein verstecktes Dorf, eingebettet in eine Lichtung voller blühender Pflanzen und von dichten Baumkronen umgeben, die wie ein schützender Baldachin über ihnen wachten. Die Mitglieder ihres Volkes waren für ihre anmutigen Gestalten bekannt: hochgewachsen, mit von weichem Fell bedeckten Ohren und majestätischen, geweihähnlichen Hörnern, die wie ein Symbol ihrer tiefen Verbundenheit mit der Natur erschienen. Sonea war keine Ausnahme, doch ihre glänzenden, scharfen Augen und ihr wissbegieriger Geist hoben sie von den anderen ab.
Seit ihrer Kindheit verspürte Sonea eine tiefe Neugier, die sie dazu trieb, die Welt jenseits der Grenzen ihres Dorfes zu verstehen. Während die anderen ihres Volkes mit dem Hüten der Pflanzen, der Heilung von Verletzten oder der Pflege der Gemeinschaft beschäftigt waren, zog es Sonea immer wieder hinaus. Sie wanderte durch die Wälder, lauschte dem Flüstern des Windes und sammelte alles, was ungewöhnlich oder schön war – seltene Kräuter, seltsam geformte Steine und manchmal Geschichten, die der Wind selbst zu tragen schien.
Ihre Abenteuerlust brachte sie schließlich in die Aufmerksamkeit von Faylin, der alten Heckenhexe, die seit Jahrzehnten als Beschützerin und spirituelle Führerin des Hirschvolks diente. Faylin lebte am Rande des Dorfes in einer moosüberwucherten Hütte, umgeben von einem Garten voller magischer Pflanzen. Die Hexe war eine geheimnisvolle Gestalt, die von den meisten Dorfbewohnern gefürchtet und respektiert wurde, doch Sonea fühlte sich zu ihrer Weisheit hingezogen. Faylin , die Soneas Potenzial erkannte, nahm sie als Schülerin auf.
Die Ausbildung bei Faylin war anspruchsvoll und lehrreich. Sonea lernte, mit Pflanzen zu sprechen, Heiltränke zu brauen und die alten Zauber zu wirken, die das Hirschvolk seit Generationen vor Gefahren schützten. Doch die Hexe lehrte sie auch Vorsicht: Nicht alles, was die Welt zu bieten hatte, war freundlich, und manche Dinge sollten besser unerforscht bleiben. Besonders warnte sie Sonea vor den seltsamen, maskierten Fremden, die manchmal durch die Wälder zogen und eine Aura des Unheils hinterließen. „Beobachte sie, wenn du musst,“ sagte Faylin einmal, „aber nähere dich ihnen nicht. Sie bringen nichts als Verderben.“
Doch Soneas Neugier ließ sich nicht so leicht dämpfen. Eines Nachts, als der Wald in silbriges Licht getaucht war, bemerkte sie die Lichter einer Karawane, die sich durch die Dunkelheit bewegte. Die Wagen mit ihren Käfigen und die unheimlichen Gestalten, die sie begleiteten, faszinierten sie. Vorsichtig wie ein Schatten schlich sie näher, verbarg sich hinter dichten Büschen und beobachtete das Schauspiel aus sicherer Entfernung. Ihre scharfen Sinne spürten die Gefahr, die von diesen Fremden ausging, doch etwas hielt sie dort – eine dunkle, faszinierende Kraft, die sie nicht erklären konnte.
Sonea wusste um das fragile Gleichgewicht in den Wäldern, und sie fürchtete, dass die Fremden dieses Gleichgewicht stören könnten. Sie hatte von den Geschichten über eine große Stadt im Westen gehört, in der ein Konzil aus Vertretern aller Völker tagte, um Frieden zu bewahren und Streitigkeiten zu schlichten. Doch in ihrem Dorf war dies kaum mehr als ein Märchen. Niemand aus ihrem Volk war jemals so weit gereist, und die wenigen mutigen Jäger, die sich in die Ebenen wagten, waren nie zurückgekehrt.
Die letzten Worte von Faylin hallten in ihrem Geist wider: „Es gibt Mächte in dieser Welt, die größer sind als unser Verstand. Wir können sie nicht aufhalten, nur verstehen und lenken.“ Und so entschied sich Sonea, die Karawane weiterhin zu beobachten, ihre Bewegungen zu studieren und, wenn nötig, ihr Volk zu warnen. Doch in ihrem Inneren wuchs der Verdacht, dass diese Begegnung nicht nur ein Zufall war – dass das Schicksal sie hierher geführt hatte, um eine Rolle in etwas Größerem zu spielen.
Das Licht der Machtsteine – Hintergrundwissen von Sonea Windfang
In der Welt, die Sonea ihre Heimat nennt, spielen Licht und Farben eine zentrale Rolle im Leben und in den Traditionen der Völker. Nichts verkörpert diese Bedeutung mehr als die Machtsteine – natürliche, kristallartige Objekte, die das Leuchten und die Kraft der Welt zu speichern scheinen. Diese Steine variieren in Größe und Form, von kleinen, handlichen Splittern bis zu kopfgroßen Felsstücken, die die Gemeinschaften der Völker schützen und bereichern. Sie strahlen nicht nur ein beruhigendes Licht aus, sondern wechseln in einem fließenden Rhythmus sanft ihre Farben, wie ein ewiger, lebendiger Puls.
Im Dorf des Hirschvolks gibt es einen solchen großen Machtstein, der seit Generationen als heilig gilt. Er ruht in einem verborgenen Hain, den nur wenige auserwählte Mitglieder des Dorfes betreten dürfen. Dieser Stein wird nur bei besonderen Anlässen oder in Zeiten großer Not hervorgeholt. Bei Ritualen entfaltet er seine ganze Pracht: ein kaleidoskopisches Farbspiel, das die gesamte Lichtung in ein strahlendes, unwirkliches Licht taucht. Die Ältesten des Dorfes glauben, dass der Stein die Lebenskraft der Erde selbst kanalisiert und das Gleichgewicht im Wald aufrechterhält.
Sonea durfte vor einiger Zeit an einem solchen Ritual teilnehmen – einer Ehre, die nur wenigen zuteilwurde. Doch etwas geschah, etwas, das niemand im Dorf je laut ausspricht. Alles, woran sich Sonea erinnert, ist der Beginn der Zeremonie: das summende, rhythmische Singen der Ältesten, das sanfte Pulsieren des Steins und die Farben, die wie lebendige Wesen durch die Luft tanzten. Dann wurde alles schwarz. Sie erwachte später in ihrer Hütte, mit einer Wunde an ihrer Stirn, die inzwischen verheilt ist. Die Dorfbewohner waren verschlossen, die Ältesten mieden sie, und selbst Faylin sprach nur in Andeutungen. Seit diesem Vorfall ist Sonea die Teilnahme an Ritualen untersagt, und der Stein wird vor ihr verborgen.
Doch etwas hat sich seitdem verändert. Sonea fühlt oft ein inneres Ziehen, ein kaum erklärbares Verlangen, das wie ein Flüstern in ihrem Geist hallt. Es erinnert sie an den Moment, bevor sie ohnmächtig wurde, als ob etwas in ihr auf den Stein reagiert hätte – oder der Stein auf sie. Dieses Gefühl wurde stärker, als sie die Karawane beobachtete: Der zentrale Wagen mit seiner mysteriösen Ladung ließ das Ziehen in ihrem Inneren beinahe schmerzhaft werden. Es war, als ob die Kisten der Fremden eine ähnliche Macht wie der Stein ihres Dorfes besäßen, doch ihre Energie fühlte sich dunkler, kälter und gefährlicher an.
Abseits dieser traumatischen Erfahrung hat Sonea stets eine natürliche Affinität zu den Machtsteinen gezeigt. Die kleineren Exemplare, die oft zur Heilung und Unterstützung im Alltag verwendet werden, reagierten immer gut auf ihre Berührungen. Ihre Hände scheinen instinktiv zu wissen, wie sie die Ströme des Lichts lenken kann, um Blessuren zu heilen oder erschöpfte Geister zu beruhigen. Doch diese kleinen Steine haben niemals das Ziehen in ihr ausgelöst, das sie bei den Kisten und dem großen Stein verspürt. Sie ist sich sicher, dass die Antwort auf ihre Fragen irgendwo tief in den Farben und im Licht verborgen liegt.
Die Dorfbewohner sind zurückhaltend, doch Sonea hat in den alten Schriften von Faylin Hinweise gefunden: Geschichten von Machtsteinen, die nicht nur Heilung und Schutz brachten, sondern auch eine dunklere Seite offenbaren konnten. Solche Steine könnten nicht nur Leben nähren, sondern es auch rauben, abhängig davon, wer sie nutzte und zu welchem Zweck. Sonea hat das Gefühl, dass ihr Vorfall mit dem großen Stein und das unheimliche Ziehen mit einer solchen verborgenen Wahrheit zusammenhängen könnten.
Während sie die Karawane weiterhin beobachtet, spürt Sonea, dass ihre Verbindung zu den Machtsteinen stärker wird – oder dass etwas, das sie nicht versteht, auf sie aufmerksam geworden ist. Sie ist sich nicht sicher, ob diese Verbindung ein Geschenk oder ein Fluch ist. Aber eines weiß sie: Das Schicksal hat sie nicht zufällig an diesen Ort geführt, und die Geheimnisse der Machtsteine könnten der Schlüssel zu ihrer Zukunft sein – und vielleicht zu der gesamten Welt, die durch ihr Licht und ihre Dunkelheit verbunden ist.