Kampf gegen die Dornenspinnen (Tag 3)

Zwischen Hunger und Gefahr

Der Marsch durch die dichten Wälder wurde unterbrochen, als die Gruppe beschloss, eine Rast einzulegen. Die Anstrengungen der Reise hatten ihre Spuren hinterlassen, und der aufkommende Hunger nagte an ihren Kräften. Doch die fremdartige Umgebung machte es schwer, essbare Pflanzen oder Tiere zu finden. In ihrer Verzweiflung wanderten die Blicke einiger Gefährten immer wieder zu den Nexus-Kristallen, deren pulsierende Energie unwiderstehlich lockte. Die Versuchung, diese Machtquelle zu nutzen, war groß, doch letztlich besann sich jeder auf die Gefahr, die mit dem Missbrauch verbunden war​​.

Nach einer kargen Mahlzeit aus Wurzeln und trockenem Proviant begann die Diskussion über die Nachtwachen. Die Verantwortung wurde gewissenhaft verteilt, und die Gefährten legten sich nieder, um etwas Ruhe zu finden. Als Serak seine Schicht übernahm, konnte er jedoch dem schweren Druck der Erschöpfung nicht widerstehen und schlief ein​​. Glücklicherweise blieb dies ohne Folgen, und der Morgen brach ruhig und ungestört an.

Hilfeschreie im Wald

Am nächsten Tag setzten sie ihre Reise fort, die sie tiefer in die Wildnis führte. Die Geräusche des Waldes wurden von einem plötzlichen, gellenden Schrei durchbrochen, der aus der Nähe zu kommen schien. Die Gruppe hielt inne, ihre Sinne geschärft. Während Sonea und Fenro sich vorsichtig anschlichen, um die Quelle des Lärms zu erkunden, unterlief Fenro ein Fehler – ein Ast knackte laut unter seinen Füßen. Der Lärm alarmierte die nahegelegenen Kreaturen, und das, was sich ihnen offenbarte, ließ selbst den tapfersten Abenteurer schaudern​​.

Vor ihnen lag eine Senke, die von klebrigen Spinnennetzen durchzogen war. Die Struktur der Netze und die unheimliche Stille ließen keinen Zweifel: Sie befanden sich in der Heimat eines Rudels Dornenspinnen. Im Zentrum des Chaos war eine der Kreaturen bereits dabei, sich einem gefangenen Wesen zu nähern, das hilflos in den Netzen zappelte. Das Opfer, dessen Gestalt in der Dämmerung nur schemenhaft zu erkennen war, schien humanoid – klein, aber mit kraftvollen Gliedern und wirrem Fell. Später würde sich dieses Wesen als Posy herausstellen, eine mysteriöse Gestalt, deren Anwesenheit die Dynamik der Gruppe verändern sollte​​.

Ein Wendepunkt

Noch bevor die Gruppe entschied, wie sie vorgehen wollte, bewegte sich Posy, um sich gegen die Fesseln aus Netzen zu wehren. Sein starker Wille schien die Aufmerksamkeit der Spinnen von den Neuankömmlingen abzulenken – zumindest für den Moment. Sonea und Fenro signalisierten der restlichen Gruppe, näher zu kommen, während sie begannen, Pläne zu schmieden. Der Kampf gegen die Dornenspinnen schien unvermeidlich, und der Ausgang dieses Konflikts würde über Leben und Tod entscheiden.

Ein Tanz aus Feuer, Stahl und Wildheit

Die Dornenspinnen, monströse Kreaturen mit stachelbesetzten Gliedmaßen und leuchtenden, rot glühenden Augen, bewegten sich lautlos durch die klebrigen Netze. Die Luft war durchzogen von der unerträglichen Spannung des bevorstehenden Kampfes. Xalfein war der Erste, der die Initiative ergriff. Mit einer flinken Bewegung seiner Hände beschwor er einen Feuerstrahl, der wie ein brüllender Drache durch die Dunkelheit zischte und das dichte Gespinst in einem flammenden Bogen entzündete. Die Hitze trieb die Spinnen in Bewegung, ihre kreischenden Laute hallten durch die Senke, als sie nach neuen Angriffswinkeln suchten​.

Finn, der sich etwas weiter zurückgezogen hatte, spannte seinen Bogen und ließ einen Pfeil fliegen, der sich zischend in den Leib einer der Kreaturen bohrte. Das verletzte Biest stürzte auf ihn zu, doch Finn hatte mit dieser Reaktion gerechnet. In einem Moment vollendeter Präzision und Eleganz wirkte er eine arkane Riposte: Eine leuchtende, magische Klinge materialisierte sich vor ihm und traf die Spinne im Sprung. Der Angriff ließ die Kreatur zurücktaumeln, wo sie von einem zweiten Pfeil endgültig niedergestreckt wurde​.

Ein entfesselter Wirbelsturm

Posy, dessen Arme noch teilweise in den klebrigen Netzen verfangen waren, begann unter Aufbringung seiner ganzen Kraft, sich zu befreien. Mit einem wütenden Brüllen, das aus tiefster Seele zu kommen schien, versetzte er sich in eine wilde Rage. Seine Bewegungen wurden instinktiv und kraftvoll, während er das Schwert, das ihm durch eine Lücke in den Netzen gereicht worden war, mit erschreckender Wildheit führte. Seine Hiebe waren ungestüm und rücksichtslos, und die Dornenspinnen, die ihm zu nahe kamen, wurden brutal zurückgeschlagen​​.

Fenro stellte sich schützend an Posys Seite, sein Schild fest umklammert. Mit gezielten Schlägen seines Kurzschwerts hielt er die Spinnen auf Distanz, wobei er immer wieder geschickt parierte und auswich. Seine ruhige Effizienz bildete einen starken Kontrast zu Posys chaotischer Kraft, doch zusammen waren sie eine nahezu unüberwindbare Barriere gegen die anstürmenden Kreaturen​.

Soneas moralischer Konflikt

Am Rand des Kampfes stand Sonea, ihr Gesicht von einem Ausdruck tiefer Zerrissenheit gezeichnet. Sie hob die Hände, um einen Feuerzauber zu wirken, zögerte jedoch. Ihre Lippen formten ein stummes Flüstern, während ihre Augen jeden ihrer Gefährten mit einem fast flehenden Blick durchbohrten. Als eine Spinne direkt auf sie zustürmte, rief sie endlich einen schmalen Feuerschwall herbei, nicht um zu verletzen, sondern um das Biest zu vertreiben. Die Kreatur zischte wütend und zog sich zurück​.

Entschlossen, aber voller Bedauern lief Sonea durch die glühenden Netze auf Posy zu. „Halt durch!“ rief sie, ihre Stimme voller Dringlichkeit. Mit einem gezielten Schnitt ihres Dolches begann sie, die klebrigen Fäden zu durchtrennen, die Posys Bewegungen einschränkten. Jedes Mal, wenn eine Spinne fiel, senkte sich ein Schatten der Trauer über ihr Gesicht. Ihre Verbundenheit zur Natur und ihr tiefes Mitgefühl ließen sie die Notwendigkeit des Kampfes nur schwer ertragen​​.

Das Ende der Bedrohung

Mit einer letzten gemeinsamen Anstrengung vereinten die Gefährten ihre Kräfte. Xalfeins Flammen fanden die verwundbarsten Stellen im Netz der Spinnen, und Posys unaufhaltsame Angriffe durchbrachen ihren Verteidigungswillen. Finns Pfeile flogen in einem präzisen Rhythmus, während Fenros Schild immer wieder die tödlichen Stacheln ablenkte. Sonea hielt den Fokus auf Posy und löste die letzten Fäden, die ihn gefangen hielten.

Die verbleibenden Dornenspinnen zogen sich schließlich zurück, ihre glühenden Augen verloren sich in den Schatten des Waldes. Die Senke war erfüllt von Rauch, dem Geruch verbrannter Netze und einer unheimlichen Stille, die den Sieg begleitete.

Ein bitterer Triumph

Während die anderen ihre Waffen reinigten und ihre Wunden begutachteten, kniete Sonea am Rande der Lichtung nieder, ihre Hände zitternd in den Boden gepresst. Sie sprach leise Worte, eine Entschuldigung oder ein Gebet, vielleicht beides. Posy, nun frei, stand neben ihr, sein Schwert noch blutbespritzt. Sein wilder Blick hatte sich kaum beruhigt, doch er schien Soneas Schmerz zu erkennen.

„Wir hatten keine Wahl“, sagte Fenro schließlich, seine Stimme ruhig, aber fest. Sonea sah zu ihm auf, ihre Augen voller Emotionen. „Vielleicht,“ flüsterte sie, „aber manchmal fühlt sich die richtige Wahl trotzdem falsch an.“

So endete der Kampf – ein glorreicher Sieg, doch ein Schatten lag über dem Moment, ein Echo der Zerrissenheit, die das Herz von Sonea und vielleicht der ganzen Gruppe erfasst hatte.

Nachhall des Kampfes

Während die bedrückende Stille der Lichtung langsam wieder von den natürlichen Geräuschen des Waldes gefüllt wurde, suchte Finn mit gewohnt geschickten Bewegungen die Überreste eines besonders großen Netzes ab. Sein Blick blieb an einer dürren Gestalt hängen – ein glückloser Abenteurer, dessen Ausrüstung längst von der Zeit und den Spinnen zerfressen war. Doch unter den zerfallenen Kleidungsstücken entdeckte Finn einen erstaunlich gut erhaltenen Umhang. Der Stoff schimmerte leicht im diffusen Licht, und ein filigranes Muster war in den Saum eingearbeitet. Vorsichtig nahm Finn den Umhang an sich, wischte ihn ab und betrachtete ihn genauer. Ein sanfter, magischer Glanz ließ erahnen, dass dieses Stück mehr als nur Schmuck war​​.

Ein neues Dilemma

Während Finn den Umhang begutachtete, wanderten die Blicke der anderen zu einem entdeckten Gelege, versteckt unter einem dichten Gespinst aus Netzen. Die leuchtenden Eier schimmerten wie Perlen in der Dunkelheit und schienen die Magie des Waldes selbst zu reflektieren. Doch ihre Schönheit konnte die Bedrohung nicht verbergen, die von ihnen ausging. Es war klar, dass aus diesen Eiern eines Tages neue Dornenspinnen schlüpfen würden – Geschöpfe, die ähnliche Schrecken verbreiten könnten wie jene, die sie gerade besiegt hatten.

Die unausgesprochene Frage lastete schwer auf der Gruppe: Was sollte mit den Eiern geschehen? Xalfein, immer pragmatisch, schlug vor, sie mit einem gezielten Feuerzauber zu zerstören, doch seine Worte klangen wie eine kalte, endgültige Entscheidung. Posy, noch von seiner Rage beflügelt, schien bereit, das Gelege einfach mit seinem Schwert zu zerschlagen, ohne lange zu überlegen.

Soneas moralische Bürde

Sonea jedoch trat vor, ihre Augen ernst und voller innerem Konflikt. „Sie sind unschuldig“, murmelte sie, fast mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Noch haben sie niemandem etwas getan.“ Ihre Worte hallten in der angespannten Atmosphäre nach, doch sie lösten keine sofortige Antwort aus. Jeder in der Gruppe schien mit dem Dilemma zu ringen – Vernunft gegen Mitgefühl, Sicherheit gegen Moral.

Finn unterbrach die Stille schließlich mit einem leichten Hüsteln. „Vielleicht… sollten wir darüber nachdenken, was diese Entscheidung über uns sagt. Manchmal ist die Wahl, die wir treffen, wichtiger als die Konsequenzen.“ Seine Worte brachten einige zum Nachdenken, doch sie ließen die Frage unbeantwortet.

Der nächste Schritt

Die Entscheidung über das Gelege schien unausweichlich, doch ihre Tragweite wurde von der Gruppe unterschiedlich empfunden. Die Spannung in der Luft machte deutlich, dass diese Wahl nicht nur über das Schicksal der Eier entscheiden würde, sondern auch darüber, welche Art von Abenteurern sie sein wollten.

Während sie das Gelege betrachteten, mit seinem fremdartigen, fast hypnotischen Leuchten, wussten sie eines sicher: Egal, welche Entscheidung sie trafen, sie würde sie verändern.

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