Gesandtschaft von Prinzessin Nasiha

Die Hallen des Glasmemoryums sind von gedämpftem, türkisfarbenem Licht durchzogen, das sich in tausend feinen Spiegelungen an den schwebenden Erinnerungsprismen bricht. Zwischen den lautlosen Strömungen, die hier wie gezähmte Gedankenbahnen durch die Luft ziehen, stehen die Abgesandten von Prinzessin Nasiha.

An ihrer Spitze befindet sich Botschafterin Zamiis al-Qurasha.

Zamiis’ Erscheinung ist von vollendeter Anmut. Ihr fahlblauer Teint schimmert silbern wie Mondlicht auf ruhiger See. Goldene Schleier umspielen Schultern und Hüften und bewegen sich wie Rauch im Wasser – unabhängig von jeder sichtbaren Strömung.

Sie trägt kein offenes Wappen ihres Hauses. Nur eine Brosche: eine einzelne Perle, eingefasst in Gold, geformt wie ein geschlossenes Auge.

Ihr Lächeln ist warm genug, um Nähe zu suggerieren – kühl genug, um Distanz zu wahren.
Sie spricht in höfischen Schleifen, vermeidet direkte Aussagen und formuliert selbst einfache Bitten als kunstvolle Metaphern.

Offiziell überbringt sie einen Antrag Prinzessin Nasihas: Einsicht in diplomatische Aufzeichnungen des Glasmemoryums. Rein akademischer Natur. Historische Würdigung alter Bündnisse.

In ihrer Stimme liegt keine Unruhe. Doch sie achtet genau darauf, wer im Raum wann reagiert – und wie.

Während der Audienz entfaltet sie ein versiegeltes Pergament. Die Schrift darauf ist kunstvoll – Aquan und eine tiefere, dunklere Sprache, deren Zeichen wie in den Seitenrand gekratzt wirken.

Der Dolmetscher tritt vor.

Qelsh – der Übersetzer

Qelsh wirkt wie ein Tiefsee-Triton, doch etwas an ihm ist… verschoben. Seine grau schimmernde Haut erinnert an Nebel über schwarzem Wasser. Seine Augen besitzen keine Pupillen – nur matte, dunkle Flächen, die das Licht nicht spiegeln.

Er spricht nicht mit dem Mund.
Die Übersetzung erklingt direkt in euren Gedanken.

Die Worte sind klar. Grammatikalisch präzise. Höflich.

Und doch gibt es Momente, in denen sie eine Spur zu spät eintreffen.
Als müsse ein Gedanke erst einen weiteren Ozean durchqueren, bevor er euch erreicht.

Wer aufmerksam zuhört, bemerkt vielleicht: Einzelne Begriffe werden minimal verschoben. „Archivierung“ wird zu „Bewahrung“. „Freigabe“ zu „Einsichtnahme unter Aufsicht“. Nuancen, kaum greifbar – doch bedeutungsvoll.

In angespannten Momenten verharrt Qelsh sekundenlang reglos. Dann zuckt eine Kiemenlinie an seinem Hals, als hätte ihn eine unsichtbare Strömung gestreift.

Manche von euch könnten das Gefühl haben, dass eure eigenen Gedanken an seiner Präsenz entlangstreifen – wie Fingerspitzen an einer fremden Haut.

Aqzhar, der Beobachter

Etwas abseits von Zamiis schwebt Aqzhar.

Er ist kaum einen Meter groß – ein Tintenfischwesen von ungewöhnlich dichter, fast ölig wirkender Haut. Seine Tentakel treiben nicht frei im Wasser, sondern bewegen sich langsam und kontrolliert, als folgten sie einem inneren Takt. Winzige Saugnäpfe haften gelegentlich kurz am Boden oder an Säulen des Archivs, nur um sich lautlos wieder zu lösen.

Seine Augen sind groß, dunkel und unblinzelnd. Sie wandern nicht ziellos – sie fixieren. Beobachten. Registrieren.

Er gibt keinen Laut von sich. Kein telepathisches Flüstern. Keine Geste der Höflichkeit.

Doch sobald Magie gewirkt wird, spannen sich seine Tentakel minimal an. Sein Körper richtet sich einen Hauch auf, und seine Augen drehen sich augenblicklich zur Quelle, als könne er arkane Energien schmecken.

In seiner Nähe liegt ein schwacher Geruch von altem Tang und etwas Schwererem – wie Wasser, das zu lange in vergessenen Tiefen stand.

Er scheint nichts zu tun und doch wirkt es, als würde er alles um sich herum erkennen.