Varmûn Kelduros, Majordomus des Hofes der Tiefe

Er ist von schlanker, hochgewachsener Gestalt. Seine Haut schimmert in einem blassen Blau, durchzogen von feinen, lichtbrechenden Adern, als flösse in ihnen ein ruhiger Ozean. Das Haar – ein Geflecht aus zartem Tang – bewegt sich selbstständig in den sanften Strömungen des Palastes, ohne jemals ungepflegt zu wirken.

Seine Roben aus Kobaltblau und Perlgrau fallen in perfekten Linien an ihm herab, beschwert von kleinen, kunstvoll eingearbeiteten Muscheln, die leise aneinanderschlagen, wenn er sich bewegt. Kein Faden sitzt falsch. Kein Detail ist dem Zufall überlassen. An seiner Seite ruht stets eine goldene Schreibfeder – weniger Zierde als Werkzeug. Wer genau hinsieht, bemerkt, dass sie von einem schwachen, arkanen Schimmer umgeben ist.

Sein Blick ist aufmerksam, prüfend, und von einer Höflichkeit, die so glatt ist wie poliertes Perlmutt. Er begrüßt euch mit einer makellosen Verbeugung, deren Winkel und Dauer offenbar ebenso wohlüberlegt sind wie jedes seiner Worte.

„Willkommen im Hofe der Tiefe. Mögen Eure Absichten ebenso klar sein wie Eure Vorstellung von Eurer eigenen Bedeutung.“

Seine Stimme ist ruhig, getragen und frei von Hast. Jede Silbe sitzt an ihrem Platz wie ein Siegel auf einem Dokument. Während er spricht, entsteht neben ihm aus schwebenden Tropfen eine schimmernde Schriftrolle aus Wasser – Worte formen sich darauf wie von unsichtbarer Hand geführt, nur um im nächsten Augenblick wieder zu verblassen. Ein beiläufiger Kunstgriff, scheinbar nebensächlich, und doch eine stumme Demonstration von Kontrolle.

Varmûn stellt Fragen, die höflich klingen und dennoch nichts dem Zufall überlassen. Er kennt Namen, bevor ihr sie nennt. Er erinnert sich an Details, die ihr selbst kaum beachtet habt. Ein leichtes Stirnrunzeln – kaum mehr als das Zusammenziehen zweier feiner Linien – lässt die Temperatur der Umgebung gefühlt um mehrere Grade sinken.

Gelegentlich blitzt ein trockener Humor auf, scharf wie eine frisch geschliffene Klinge:
„Unangekündigte Heldentaten sind zweifellos aufregend. In geregelten Bahnen verlaufende hingegen sind nützlich.“

Er bewegt sich mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der jeden Stein dieses Palastes kennt – und jede Person darin. Diener weichen ihm aus, Wachen neigen respektvoll den Kopf. Niemand widerspricht ihm offen.

In seiner Gegenwart wird rasch deutlich: Der Hof des Padischahs mag von Macht und Leidenschaft durchdrungen sein – doch seine Struktur, seine Ordnung und sein reibungsloses Funktionieren tragen unverkennbar Varmûns Handschrift.

Ob er euch als willkommene Gäste, notwendige Werkzeuge oder potenzielle Störung betrachtet, bleibt hinter seinem höfischen Lächeln verborgen